So kocht und speist der Papst - Eine kulinarische Biografie über Franziskus

"Der Mensch ist, was er isst." Wenn dieser Satz eines deutschen Philosophen stimmt, weiß man nach der Lektüre dieses neuen Buches alles Wesentliche über das katholische Kirchenoberhaupt.

Suppenküche
Wie ernährt sich der Heilige Vater? Eine kulinarische Biografie gibt Auskunft. Foto: dpa

Dieses Werk wird als Papstkochbuch in die Literaturgeschichte eingehen - daran lässt schon die Verlagswerbung keinen Zweifel. Dabei hat Franziskus seine Lieblingsgerichte gar nicht selbst aufgeschrieben. Streng genommen ist es nicht einmal ein Kochbuch, trotz der immerhin 36 Rezepte. Eher schon handelt es sich um eine kulinarische Biografie auf den Spuren seiner Geschichte. Die führt mit seinen Großeltern aus Norditalien übers Meer zum Rio de la Plata und zurück nach Europa in den Vatikan. Wo der neue Papst "vom Ende der Welt" sein erstes Angelus-Gebet mit einem Wunsch an alle Zuhörer beschloss: Buon pranzo, gutes Mittagessen.

Jorge Mario Bergoglio und das Essen - das ist ein unerschöpfliches Thema. Einer seiner italienischen Biografen, Roberto Alborghetti, hat es zu einem appetitanregenden Augenschmaus aufbereitet. Sein geschmackvoll bebildertes Buch ist mit Anekdoten nur so gewürzt, gespickt, ach was, getränkt, dass schon das Lesen puren Genuss bietet.

Alborghetti serviert die Leibspeisen des Kirchenoberhaupts: als da wären gefülltes Spanferkel und der vor 150 Jahren in Argentinien erfundene Nachtisch "dulce e leche", eine braune Creme aus Milch und Zucker. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte das gut recherchiert, als sie dem Papst bei einem ihrer Besuche im Vatikan davon etwas aus seiner Heimat mitbrachte.

"Ganz versessen" sei Franziskus aber auf "Bagna Cauda", eine würzige heiße Soße aus Knoblauch, Milch, Sardellen und Weißwein. Wie bei einem Fondue werden Gemüsestücke darin eingetaucht. Es heißt, auch als Erzbischof von Buenos Aires habe Bergoglio nie eine Einladung zu dieser piemontesischen Spezialität aus der Heimat seiner Vorfahren ausgeschlagen.

Des Papstes Tischkultur lässt sich so zusammenfassen: möglichst einfache Speisen aus natürlichen Zutaten, lieber am Küchentisch als im Restaurant, lieber mithelfen als sich bedienen lassen und bloß keine Sonderbehandlung. Wobei die Mahlzeiten gern etwas länger dauern dürfen. Der sonntägliche Mittagstisch der Familie Bergoglio zog sich manchmal bis in die frühen Morgenstunden hin.

Konservativ oder fortschrittlich - um die theologische Ausrichtung des Papstes gibt es noch Streit. Am Herd ist Bergoglio eindeutig kein Reformer, sondern Traditionalist. Großmutter Rosa und Mutter Regina lehrten ihn den achtsamen Umgang mit Lebensmitteln, zum Beispiel dass man mit Brot nicht spielt. Fiel ein Stück zu Boden, brachten sie den Kindern bei, "es aufzuheben, es zu küssen und es wieder auf den Tisch zu legen". Zur Resteverwertung im Vatikan hat der Papst Kochkurse durchführen lassen und damit neue Maßstäbe gesetzt. Spargelwasser wegkippen? "Ich trinke es gerne."

Nach der Geburt seiner jüngsten Schwester wurde Jorge Marios Mutter von einer Lähmung befallen. Vom Bett aus delegierte sie die Sorge für die Verpflegung der Familie an den ältesten Sohn. Der sog ihre Anweisungen bereitwillig auf. "Seine gefüllten Calamares schmecken umwerfend", bewundert ihn seine Schwester dafür bis heute.

Im Stammbaum der Bergoglios finden sich Weinbauern, Likörhersteller, Kaffeehaus- und Restaurantbetreiber. Als Bub wollte der Papst Metzger werden. Tatsächlich wurde er zunächst Lebensmittelchemiker. Seinen Wunsch, den Priesterberuf zu ergreifen, eröffnete der 19-Jährige den Eltern bei der Feier ihres 20. Hochzeitstages in einer Konditorei - "nach der Hälfte des Frühstücks".

Seine veritablen Kochkünste konnte er auch im kirchlichen Dienst gut gebrauchen. Hatte der Koch an Feiertagen frei, bereitete eben der Rektor des Kollegs San Miguel das Mittagsmahl für seine Studenten zu. Legendär: Padre Bergoglios Asado und seine selbst gemachten Nudeln.

Das Essen und der Papst - das ist auch Stoff für "Fake News". Hitzige Reaktionen in den sozialen Netzwerken rief das Gerücht hervor, er habe verboten, Kalbfleisch zu verzehren oder Rosinen mit Reis zu mischen. Auch dass er Abstinenzler sei, machte die Runde. Franziskus nutzte die rechte Gelegenheit zum Dementi: einen Empfang italienischer Weinsommeliers.

KNA - Christoph Renzikowski / DT - jbj

 

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