Kopten als Vorbild für Kirche des Westens

Der Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach äußert sich im Gespräch mit der „Tagespost“ über den koptischen Glauben und die Rolle der Kopten im ägyptischen Staat.

Martin Mosebach
Schriftsteller Martin Mosebach am 23. Januar 2018 unter den Bernini-Kolonnaden am Petersplatz im Vatikan. Foto: Stefano dal Pozzolo (KNA)

Der Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach sieht in der koptischen Kirche ein Vorbild für die Kirche des Westens. „Die westliche Kirche kann an ihrem Beispiel studieren, wie sich Christentum auch ,gegen die Welt' behaupten kann“, erklärt der Büchner-Preisträger im Gespräch mit der „Tagespost“. Mosebach besuchte die Familien der 21 koptischen Märtyrer, die Dschihadisten vor drei Jahren an der libyschen Küste enthauptet hatten. Über seine Erfahrungen und Begegnungen hat er nun ein Buch mit dem Titel „Die 21“ verfasst.

Im Unterschied zur lateinischen Kirche hat sich die Tradition bei den Kopten gegen die Reformer behauptet. Den Grund sieht Mosebach darin, dass die koptische Kirche dem Zentralismus widerstrebe. „Eine Liturgiereform als zentral gesteuerten bürokratischen Verwaltungsakt durchzusetzen, wäre ganz unmöglich“, so der Schriftsteller. Mit „Reformen“ sei bei den Kopten nur eine gewisse Verkürzung der langen Liturgie gemeint - „eine Umdeutung der Eucharistie zur Mahlfeier und gar Neuschöpfung des Ritus wären unvorstellbar“. Grundsätzlich komme der Liturgie im Leben der Kopten eine besonders große Rolle zu. Sie habe viele besonders eindrucksvolle Eigenheiten, die sämtlich den Charakter der Vergegenwärtigung der göttlichen Gegenwart betonten, so Mosebach.

Mosebach äußerte sich auch zur sehr eingeschränkten Rolle der Kopten im ägyptischen Staat. „Kopten dürfen keine Führungspositionen im Staat übernehmen, sie können nicht General, Minister, Rundfunkintendant etcetera werden.“ Sie dürften auch keine koptische Partei gründen. Neben der Masse der armen Kopten gebe es dennoch wohlhabende Familien unter ihnen, die auch politischen Einfluss ausübten. „Aber eben nur indirekt, nicht auf der Grundlage von Rechten.“

Das ausführliche Interview mit Martin Mosebach sowie Hintergrundinformationen zu anstehenden Lesungen mit dem Autor von „Die 21“ finden Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 22. Februar.
DT