Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Vatikan

Präfektur des Päpstlichen Hauses - Das Empfangskomitee seiner Heiligkeit

Was früher Aufgabe vatikanischer Würdenträger war, regelt heute die Präfektur des Päpstlichen Hauses. Von Ulrich Nersinger
Angela Merkel in the Vatican
Foto: dpa | Als Präfekt des Päpstlichen Hauses begleitet Erzbischof Georg Gänswein hohe Staatsgäste zur Privataudienz mit dem Papst, wie hier Angela Merkel, die im Mai 2016 auf Papst Franziskus traf, als ihm der Karlspreis ...

Begegnungen mit dem Papst gehören zu einem Besuch in der Ewigen Stadt – zumeist durch die Teilnahme an einem Gottesdienst oder einer Audienz. Pilger, Touristen, Prominente, Botschafter, Regierungschefs und Staatsoberhäupter nehmen solche Gelegenheiten für ein Zusammentreffen mit dem Heiligen Vater wahr. Und dies schon seit vielen Jahrhunderten.

Noch in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zeichneten vatikanische Würdenträger mit klangvollen Amtsbezeichnungen, deren Ursprung sich bis in das frühe Mittelalter hinein verfolgen lassen, für die Organisation und Durchführung der Begegnungen mit dem Oberhaupt der katholischen Kirche verantwortlich. So der Majordomus und der „Maestro di Camera“ (Oberhofmeister) des Apostolischen Palastes. Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) nahm der Papst im Vatikan weitreichende Reformen vor. Den alten Päpstlichen Hof wandelte er in das „Päpstliche Haus“ um, dessen Leitung er einem Präfekten anvertraute.

Der Präfekt des Päpstlichen Hauses ist für gewöhnlich ein Prälat im Rang eines Titularbischofs.

Derzeit erfüllt Erzbischof Georg Gänswein diese verantwortungsvolle Aufgabe. Er wird dabei von einem „Reggente“ (Büroleiter), Offizialen (Beamten) und dem für Schreib- und Übersetzungsaufgaben nötigen Personal unterstützt. Für einen reibungslosen Ablauf der Treffen mit dem Papst sorgt eine Reihe von Gruppierungen im Päpstlichen Haus, die schon am alten Päpstlichen Hof existierten, heute aber modernere Bezeichnungen tragen. Der Präfektur untersteht auch die „Banda Pontifica“, die Musikkapelle des Vatikans, die bei offiziellen Staatsbesuchen und der Erteilung des Apostolischen Segens „Urbi et Orbi“ zu Ostern und Weihnachten auf dem Petersplatz in Erscheinung tritt.

Die Präfektur regelt die feierlichen Audienzen, die der Heilige Vater Staatsoberhäuptern, Regierungschefs, Ministern und anderen herausragenden Persönlichkeiten gewährt, und die Besuche von Botschaftern, wenn sie sich zur Überreichung ihrer Beglaubigungsschreiben in den Vatikan begeben. Aber ebenso ist sie für die Vorbereitung und Durchführung der Privat-, Sonder- und Generalaudienzen zuständig. Sie bereitet die Besuche des Papstes in der Stadt Rom und innerhalb Italiens vor; Staatsbesuche und Pastoralvisiten im übrigen Ausland werden von ihr gemeinsam mit dem Päpstlichen Staatssekretariat organisiert. Bei liturgischen Feierlichkeiten arbeitet sie mit dem „Büro für die liturgischen Zelebrationen des Papstes“ zusammen.

Im Internet ist die Präfektur des Päpstlichen Hauses auf der offiziellen Homepage des Vatikans (www.vatican.va) präsent. Auf der Webseite der Präfektur findet sich ein Kalender der Veranstaltungen mit dem Heiligen Vater; in ihm werden alle künftigen Generalaudienzen, Feiern und Pastoralbesuche des Papstes aufgelistet. Ein Formblatt zur Bestellung der Karten für die Mittwochsaudienzen kann als PDF-Dokument heruntergeladen und via Post oder Fax an die Präfektur des Päpstlichen Hauses übersandt werden. Die Eintrittskarten sind kostenlos und müssen in der Regel im dafür vorgesehenen Büro beim Bronzetor (Portone di Bronzo, rechter Kolonnadenflügel auf dem Petersplatz) abgeholt werden.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Georg Gänswein Präfekt Päpste Zweites Vatikanisches Konzil

Weitere Artikel

Papst Leo hat das Personenkarussell kräftig angeschoben. Da reicht auch ein ligurisches Mahl kaum aus, um sich über die Neuigkeiten auszutauschen.
12.04.2026, 07 Uhr
Mario Monte
Papst Leo spricht mit dem Münchner Erzbischof. Derweil sagt Kardinalstaatssekretär Parolin, es sei zu früh für Sanktionen – und widerspricht erneut der Darstellung der DBK.
07.05.2026, 09 Uhr
Meldung

Kirche

Das neue Vatikanpapier zum Papstamt belebt die ökumenische Debatte. Doch beim Katholikentag wurde deutlich: Der Weg zu einer gemeinsamen christlichen Stimme bleibt weit.
16.05.2026, 16 Uhr
Heinrich Wullhorst
Ralph Brinkhaus fordert mehr Gottesbezug, Kardinal Marx hält sich lieber an die Vernunft. Doch wie jenseitig dürfen politische Ratschläge der Kirche dann noch sein?
16.05.2026, 13 Uhr
Jakob Ranke
Der DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer verweist auf „Dynamiken“ bei der Prüfung der Satzung in den römischen Dikasterien.
16.05.2026, 12 Uhr
Meldung
Eine vatikanische Ehrung für den iranischen Botschafter am Heiligen Stuhl sorgt für Empörung – und für Missverständnisse. Eine Aufklärung.
15.05.2026, 10 Uhr
Stephan Baier