Kommentar um "5 vor 12"

ZdK auf Kuschelkurs mit der Ampel

Einfach nur peinlich: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken paarshippt jetzt mit den Ampelkoalitionären.
Zentralkomitee der deutschen Katholiken
Foto: Bernd von Jutrczenka (dpa) | So drastisch wie einige Lebensrechtsorganisationen müsste sich ZdK um die neue Vorsitzende Irme Stetter-Karp gar nicht äußern. Es würde schon reichen, wenn es für das „Evangelium des Lebens“ (Johannes Paul II.) einträte.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist keine Vereinigung von Lebensrechtlern. Deswegen ist es nicht nur legitim, dass ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp den von den Ampelkoalitionären vorgelegten Koalitionsvertrag dort lobt, wo Katholiken dies können. Es ist auch klug, damit zu beginnen. Jeder weiß aus eigener Erfahrung, dass die Bereitschaft, Kritik anzunehmen und sich mit ihr auseinanderzusetzen, signifikant steigt, wenn Positives nicht unterschlagen, sondern erwähnt, gewürdigt und an den Anfang gestellt wird.

Kein Wort zu Eizellspende und Leihmutterschaft

Dennoch überrascht die Kritik, die Stetter-Karp dem Koalitionsvertrag angedeihen lässt, und die mit „Kritik am mangelnden Schutz der Menschenwürde“ völlig überdimensioniert und geradezu irreführend überschrieben ist. Denn mehr als dass die „geplante Streichung des § 219a“ (Werbeverbot für Abtreibung) „aus Sicht des ZdK keine gute Option“ sei, „um auf Schwangerschaftskonflikte zu reagieren“, fällt Stetter-Karp dazu gar nicht ein.

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Dabei wollen SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP weit mehr. Wer zwischen den Zeilen zu lesen vermag, der weiß, dass die Ampel vorgeburtliche Kindstötungen zu einer stinknormalen Gesundheitsdienstleistung machen wollen, so wie Bündnis 90/Die Grünen in ihrem Wahlprogramm bereits angekündigt hatten. Auch die im Koalitionsvertrag beschriebenen Pläne zur Legalisierung von Eizellspende und Leihmutterschaft können Christen ebenso wenig gutheißen, wie die geplante Einführung des „Single Embryo Transfer“ bei künstlichen Befruchtungen. In der Stellungnahme des ZdK wird all das nicht einmal erwähnt.

Katholiken müssen das „Evangelium des Lebens“ bezeugen

Lebensrechtsorganisationen liegen nicht falsch, wenn sie in diesem Zusammenhang von einer „Kultur des Todes“ sprechen oder davon, dass sich Deutschland auf dem Weg in einen „Unrechtsstaat“ mache. So drastisch muss das ZdK das aber gar nicht formulieren. Es würde schon reichen, wenn es für das „Evangelium des Lebens“ (Johannes Paul II.) einträte.

Was dagegen niemand braucht, sind plumpe Ergebenheitsadressen und peinliches Wattebausch-Weitwerfen. Sie sind dem Respekt, den die künftige Bundesregierung der Vertretung katholischer Laien in Deutschland entgegenbringen sollte, auch sicher nicht zuträglich. Mehr noch: Von einem zahnlosen ZdK, das mit den Ampelkoalitionären paarshippt, werden sich Katholiken, die sich gerufen wissen, Zeugnis für das Evangelium abzulegen, nicht vertreten fühlen.

Was planen die Parteien der Ampel-Koalition hinsichtlich Lebensschutz und Reproduktionsmedizin? Befindet sich Deutschland tatsächlich "auf dem Weg in den Unrechtsstaat"? Lesen Sie dazu eine ausführliche Analyse in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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Stefan Rehder Zentralkomitee der deutschen Katholiken

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