Wauquiez neuer Vorsitzender der französischen Konservativen

Der ehemalige Europaminister Nicolas Sarkozys will das christliche Erbe Frankreichs wiederbeleben. Für die Beziehungen zu Deutschland dürfte er in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle spielen.
Laurent Wauquiez und Nicolas Sarkozy
Foto: Christophe Petit Tesson (EPA) | Laurent Wauquiez (links) ist der neue Vorsitzende der Konservativen. Unter dem ehemaligen Präsidenten Nicolas Sarkozy (rechts) diente Wauquiez als Europaminister.

Laurent Wauquiez  ist zum neuen Vorsitzenden der französischen Konservativen gewählt worden. Seinen Weg zur Einigung der Partei hat er bereits angekündigt: Er will den Dialog mit der Basis stärken und aus der Partei eine Debattenpartei machen. Man kann sich auf spannende und offene, auch bekenntnisreiche Diskussionen gefasst machen. Denn zu dieser Basis gehört die Bewegung "Sens commun", die den Kern der Großdemonstrationen gegen die Homo-"Ehe" bildete und diese Millionendemos in Paris organisiert hatte. Das ist nicht ganz unproblematisch. Der Chef dieser Bewegung hatte einer Annäherung an den Front National das Wort gesprochen und war dafür von Wauquiez gerügt worden. Er trat zurück. Seine Nachfolgerin ist die 28 Jahre alte Madelaine de Jessey, die als „Veilleuse“, als Wächterin mit anderen viele Abende betend und singend auf der Rasenfläche vor dem Invalidendom in Paris verbrachte.

Wauquiez wird vorsichtig mit dieser Gruppe umgehen, aber es besteht kein Zweifel, daß er ihr nahesteht und das christliche Erbe Frankreichs wieder beleben will. Das ist für ihne eine Frage der Identität Frankreichs und hier ist eine Trennlinie zu Macron zu sehen. Macron steht eher für einen Bundesstaat Europa unter Führung Frankreichs, Wauquiez steht für das Europa der Vaterländer. Macron stellt sich damit an die Spitze des urbanen, elitären und von der Finanzoligarchie beherrschten Frankreichs, Wauquiez will das ländliche, bodenständige und heimatbewusste Frankreich mit dem großstädtischen, aus dem er selber stammt, versöhnen. Beide sind hochintelligent, haben mit Bravour die Eliteschulen besucht und bestanden. Wauquiez spricht fließend Englisch und Deutsch, heute wird die Kanzlerin ihn bewusster anschauen und beobachten, wenn sie ihm auf dem Kongress der Europäischen Volkspartei begegnet. Merkel wird dabei feststellen, dass der ehemalige Europa-Minister Sarkozys keineswegs zum Europafeind mutiert ist. Er wird die nächsten zwei Jahre für Merkel keine große Rolle spielen. Aber er wäre nicht der erste Franzose, dessen Blick in die nächste Ära reicht, über die Zeit von Merkel hinaus.

Das vollständige Porträt lesen Sie in der Ausgabe der "Tagespost" vom 14. Dezember

DT/lim

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