Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Paris

Was Frankreich vom „Populisten“ Boris Johnson übernehmen kann

Zwei neue Maßnahmen könnten den neuen Premierminister Großbritanniens zu einem Vorbild für andere europäische Staaten werden lassen: die Entkriminalisierung der Nichtbezahlung der Rundfunkgebühren sowie die Stärkung der Justiz gegenüber terroristischen Gewalttätern.
Ein Boris Johnson für Frankreich
Foto: Frank Augstein (PA Wire) | Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, hält eine Rede zu den britischen Eckpunkten der zukünftigen Verhandlungen.

„Wir brauchen einen französischen Boris Johnson“, titelt der Rechtsanwalt und Essayist Gilles William Goldnadel in der französischen Tageszeitung "Le Figaro". Es bestehe zwar „kaum Zweifel daran, dass der neue britische Premierminister nach der derzeit geltenden Terminologie in die politische Kategorie der "Populisten" eingeordnet werden müsse: direkte Sprache, die zudem frei von jeglicher Phrasendrescherei oder politisch korrekter Ausweichmanöver ist. Zudem eine von Komplexen befreite Sicht gegenüber der Immigration und dem Islam, eine Verteidigung des abendländischen Nationalstaates und als logische Folge eine Freundschaft zum konservativen Amerika und zu Israel. Und schließlich, und vielleicht vor allem, ein aktives Mitgefühl für das - durch die trendige und ausländerfreundliche Globalisierung ohne Grenzen - leidgeprüfte einfache Volk“. Daher sei es selbstverständlich, „dass der Begriff ‚populistisch‘ in diesem Sinne eher ein Kompliment als eine Beleidigung ist“.

Lesen Sie auch:

Eher Kompliment als Beleidigung

Goldnadel prüft im Folgenden, ob die beiden von Johnson gemachten Vorschläge auch für Frankreich angemessen seien. Der erste betrifft die BBC, die vom Premierminister, „nicht ohne stichfeste Gründe beschuldigt wird, schon seit langem zu Gunsten der Linken im Allgemeinen und der Labour Party im Besonderen Partei ergriffen zu haben – in Übereinstimmung mit einem globalen soziologischen und medialen Trend“. Aufgrund dieser „fehlenden Objektivität“ verdiene es die BBC, nach Meinung Johnsons, keine öffentlichen Gelder mehr einzunehmen. Daher plane er, die Nichtbezahlung der Gebühren nicht mehr unter Strafe zu stellen.

Sein zweiter Vorschlag ist nach dem letzten islamistischen Attentat in London die Vorlage eines Gesetzentwurfs, der demnächst im Parlament geprüft werde. Er sieht vor, die Strafen für terroristische Gewalttäter zu erhöhen (mindestens 14 Jahre Gefängnis) sowie jegliche vorzeitige Haftentlassung zu verbieten.
Auf Frankreich übertragen schlägt Goldnadel vor, dem Beispiel der konservativen britischen Partei zu folgen. Denn „die Situation in Frankreich ist nämlich die gleiche …, nur noch schlimmer“. So beklagte Goldnadel schon häufig die „unglaubliche Einflussnahme des intellektuellen Linksradikalismus auf die nationalen Sender“.

Opfer "auf dem Altar dieser feigen Dummheit"

Und im Hinblick auf „die fehlende französische Entschiedenheit gegenüber dem islamistischen Terrorismus“, meint er: „Es reicht zu konstatieren, dass die Massaker von Nizza und von Saint-Etienne-du-Rouvray von einem vorzeitig aus der Haft entlassenen Wiederholungstäter beziehungsweise von einem Ausländer ohne Aufenthaltsgenehmigung, der bereits ungeahndete Straftaten verübt hatte, begangen wurden“. Die unschuldigen Opfer dieser Terrorakte würden „auf dem Altar dieser feigen Dummheit dargebracht, die offensichtlich eng verknüpft ist mit der von einem ‚islamo-gauchisme‘ (auf Deutsch etwa: politisches Bündnis zwischen Linken und Islamisten) der Öffentlichkeit eingehämmerten Medienpropaganda“. Wie wäre es also, fragt Goldnadel, „wenn wir die Rundfunkbeiträge abschafften, die uns dazu verurteilen, zwangsweise Propagandasendungen anzuschauen?“

DT/ks

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Redaktion Boris Johnson Islamisten Terrorismus

Weitere Artikel

Premierminister Keir Starmer und die Labour-Partei kämpfen am Abgrund. Auf der anderen Seite lacht Nigel Farage. Nun könnte es durch eine Nachwahl zur Palastrevolte kommen.
29.05.2026, 15 Uhr
Claudia Hansen
Die Mandelson-Epstein-Affäre stürzt den britischen Premierminister in seine bisher tiefste Krise. Es geht um nicht weniger als sein politisches Überleben.
11.02.2026, 17 Uhr
Claudia Hansen

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser