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Vorsitzender von Nahost-Hilfswerk: „Aus dem Kreis der Gewalt heraustreten“

Ein Ende der Kampfhandlungen in Nahost bedeute noch keinen Frieden, betont der Vorsitzende der „Initiative Christlicher Orient“ (ICO), Slawomir Dadas, gegenüber der „Tagespost“.
Helikopter mit freigelassenen Geiseln
Foto: IMAGO/JINI (www.imago-images.de) | Ein Helikopter mit von der Hamas freigelassenen Geiseln kommt in Israel an. Am Montagabend waren elf weitere Geiseln freigelassen worden.

Der Vorsitzende des österreichischen Hilfswerks „Initiative Christlicher Orient“ (ICO), Slawomir Dadas, geht nicht von einem baldigen Frieden im Nahen Osten aus. „Auch wenn wir in einem Jahr keine Kampfhandlungen mehr haben, wird es noch keinen Frieden geben.“ Denn zum Frieden gehöre auch die Versöhnung, betont der Linzer Regens im Gespräch mit der „Tagespost“.

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Der Frieden beginne dort, wo auch Versöhnung geschehe, so Dadas. „Wo nicht mehr geschossen wird, herrscht bloß ein Waffenstillstand.“ Es gehe darum, „aus dem Kreis der Gewalt herauszutreten, diesen Teufelskreis von Gewalt und Gegengewalt zu verlassen“. Wenn es Israel gelingen sollte, die palästinensische Terrororganisation Hamas militärisch zu besiegen, sei damit nur ein erster Schritt gesetzt, aber noch nicht mehr, so der ICO-Vorsitzende. „Dann müssten die Israelis Schritte zu einem tatsächlich gerechten Frieden setzen. Jede Gesellschaft braucht doch einen Freiraum zum Leben.“ Der Grundsatz müsse dabei sein, dass jedes Menschenleben gleich viel wert ist.

Christen leiden unter ungelösten politischen Problemen

Mit Blick auf die Christen im Nahen Osten erklärt Dadas, diese hätten schon lange unter den ungelösten politischen Problemen zu leiden. „Sie hatten wegen einiger Extremisten in der Politik, auch in der Regierung von Benjamin Netanjahu, bereits vor dem 7. Oktober große Schwierigkeiten und mussten Schikanen erdulden.“ Gleichzeitig habe es auf der zwischenmenschlichen Ebene weithin „zumindest ein Nebeneinander“ gegeben, „aber was seit dem 7. Oktober geschieht, verschlechtert auch diese Situation. Die Gräben werden immer breiter“. Er fürchte, so Dadas, „dass aus dem Nebeneinander in vielen Fällen nun Feindschaften werden könnten“.

Darüber hinaus betont Dadas, dessen Hilfswerk die christliche Minderheit im Orient fördert, dass Israel ein Recht auf Selbstverteidigung besitze. Das Vorgehen der Hamas sei „barbarisch und durch nichts zu rechtfertigen“ gewesen. „Das steht nicht zur Debatte“, so Dadas. Gleichzeitig müsse man angemessen reagieren, wenn man „einen demokratischen, zivilisierten Staat“ vertrete. „Auf die Zivilisten muss Rücksicht genommen werden. Wobei: Ich weiß schon, dass das sehr schwierig ist, wenn die Hamas sie als lebende Schutzschilde missbraucht.“

Indes soll die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas um zwei Tage verlängert werden. Wie der Sprecher des katarischen Außenministeriums, Madschid al-Ansari, am Montagabend bekanntgab, soll die zunächst auf vier Tage angelegte Feuerpause nun bis Donnerstagmorgen andauern. Auch das Weiße Haus bestätigte dies. Zudem waren am Montagabend elf weitere Geiseln der Hamas freigelassen worden. Im Gegenzug dafür soll Israel 33 palästinensische Häftlinge entlassen.  DT/mlu

Rechnet Slawomir Dadas mit einer Radikalisierung im Westjordanland? Wie groß ist seiner Ansicht nach die Gefahr einer Internationalisierung des Konfliktes? Lesen Sie das ausführliche Interview in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

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