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Vorsicht ist gut, Panik wäre schlecht

Es wird Wochen dauern, bis genügend Daten ausgewertet wurden, um die Gefährlichkeit der Virusvariante Omikron exakt einschätzen zu können. Die Menge der Mutationen allein ist noch kein Grund für Besorgnis.
Coronavirus - Omikron
Foto: Ariel Schalit (AP) | Reisende mit Mund-Nasen-Schutz kommen am Ben-Gurion-Flughafen an. Um die Ausbreitung der neuen Omikron-Variante des Coronavirus einzudämmen, schließt Israel seine Grenzen für Ausländer.

Wie harmlos oder gefährlich die neue SARS-CoV-2 Variante Omikron ist und welchen Schaden sie in Deutschland verursachen könnte, vermag derzeit niemand mit Bestimmtheit zu sagen. Wenn Wissenschaftler nun einräumen, dies bislang nicht einschätzen zu können, ist dies kein Beleg für schlechte Wissenschaft, sondern einer für das exakte Gegenteil. Denn in Südafrika herrschen nicht nur andere klimatischen Rahmenbedingungen. Auch die Alterspyramide der Gesellschaft und die Impfquote sind andere. Vergleichbares gilt für die Ernährung, die dort mehrheitlich präferierten Lebensstile und vorherrschenden Vorerkrankungen.

Auch aus der Tatsache, dass das Virus an vielen Stellen Mutationen gegenüber der Delta-Variante aufweist, folgt zunächst einmal gar nichts. Denn diese können sich unter den hier vorherrschenden Rahmenbedingungen sowohl gegenseitig verstärken, als auch aufheben.

Kein Grund zur Panik, wohl aber zur Vorsicht

Grund zur Panik, die ohnehin kein guter Ratgeber ist, gibt es daher bislang keinen. Weder sterben in Südafrika mit Omikron Infizierte wie die Fliegen, noch müssen sie überwiegend hospitalisiert werden. Im Gegenteil. Offenbar ist die Variante weder mit dem Verlust des Geschmacksinns noch mit dem des Geruchsinns assoziiert.

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Überhaupt gilt: In aller Regel machen Mutationen ein Virus nicht ge-, sondern ungefährlicher. Sie treten zufällig und spontan auf und sind keine gezielten Anpassungen an die Umwelt. Anders als viele Politiker, Medien und bisweilen sogar Wissenschaftler durch fahrlässigen Sprachgebrauch suggerieren, ist ein Virus auch gar kein Akteur, der einen Plan besitzen und eine Strategie verfolgen könnte. Ein Virus will sich nicht einmal vermehren, sondern „tut“ dies nur da und dort, wo andere ihm dies ermöglichen.

Je unschädlicher, desto verbreiteter

Viren besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und sind daher strenggenommen nicht einmal Lebewesen. Sie benötigen Wirte, um sich reproduzieren und über sie verbreiten zu können. Je gefährlicher sie für den Wirt sind, desto „schlechter“ ergeht es ihnen selbst. Stirbt ein Wirt, bevor er einen anderen infiziert, sterben die Viren mit ihm. Ist dagegen die Gruppe, denen ein Virus echten Schaden zufügt, klein, erhält es mehr Chancen, sich zu verbreiten. Denn wer mangels Symptome gar nicht merkt, dass er infiziert wurde, unterhält in aller Regel mehr soziale Kontakte als derjenige, der sich schlecht fühlt und ins Bett legt.

Impfen schützt vor schweren Verläufen. Mit der Impfquote steigt jedoch auch die Zahl der asyptomatischen Verläufe. Und da keiner der COVID-19-Impfstoffe eine „sterile Immunität“ gegen das Virus bietet, können sich auch vollständig Geimpfte weiterhin mit dem Virus infizieren und es an andere weitergeben. Auch der deutsche Reiserückkehrer, der sich in Südafrika mit der Omikron-Variante infiziert hatte, war doppelt geimpft.

Jeder kann Infektionsketten brechen

Weil Viren Wirte brauchen, bleibt es stets möglich, Infektionsketten durch kluges und umsichtiges Verhalten zu brechen und auch wellenartige Pandemieverläufe zu stoppen. Dazu zählt zum Beispiel Menschenansammlungen zu meiden, Kontakte zu reduzieren, Abstand zu halten, Maske in Innenräumen zu tragen, häufiges Händewaschen sowie regelmäßiges Testen und sofortige Quarantäne im Falle einer Infektion.

Wo jedoch die Politik die Menschen durch vollmundige und unzutreffende Impf-Versprechen in falscher Sicherheit wiegt, das Testen kostenpflichtig macht und so erheblich erschwert, werden viele asymptomatische Infektionen nicht entdeckt, findet jedes Virus ideale Rahmenbedingungen vor, um sich auszubreiten. Gut möglich, dass nun sehr harte Maßnahmen erforderlich sind, um eine Überlastung der in der Pandemie signifikant geschrumpften Kapazitäten des Gesundheitssystems zu vermeiden. Ob die Virusvariante Omikron diese Lage zusätzlich verschärft, lässt sich erst sagen, wenn genügend mit ihr Infizierte untersucht und ausreichend Daten über Symptome und Krankheitsverläufen gesammelt und ausgewertet wurden. Das wird Wochen, vielleicht sogar Monate brauchen.

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