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USA: Keine Forschung mehr mit Gewebe aus Abtreibungen

Einen Tag vor dem „March for Life“ kündigt die US-Gesundheitsbehörde NIH einen Förderstopp für Forschung mit Gewebe von abgetriebenen Kindern an – und setzt auf neue Modellplattformen.
NIH-Direktor Jay Bhattacharya
Foto: IMAGO/Pool/ABACA (www.imago-images.de) | Will die biomedizinische Forschung „ins 21. Jahrhundert“ führen und Investitionen in alternative Methoden beschleunigen: NIH-Direktor Jay Bhattacharya.

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump will die Verwendung von menschlichem fötalem Gewebe aus Abtreibungen in staatlich finanzierter Forschung beenden. Dem Nachrichtenportal „The Daily Wire“ zufolge hat die Gesundheitsbehörde National Institutes of Health (NIH) mitgeteilt, dass NIH-Mittel mit sofortiger Wirkung nicht mehr für Projekte eingesetzt werden dürfen, die solches Gewebe verwenden. Betroffen sind das NIH-Programm in eigenen Laboren sowie NIH-Zuschüsse und Kooperationsvereinbarungen, Transaktionszuschüsse sowie Forschungs- und Entwicklungsverträge.

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NIH-Direktor Jay Bhattacharya erklärte, die Entscheidung solle die biomedizinische Forschung „ins 21. Jahrhundert“ führen und Investitionen in alternative Methoden beschleunigen. Genannt werden unter anderem Gewebe-Chips, computergestützte Biologie, Organoide und weitere Plattformen, die Krankheiten abbilden und zugleich ethische Konflikte verringern sollen. Im Haushaltsjahr 2024 wurden nach NIH-Angaben 77 Projekte gefördert, in denen menschliches fötales Gewebe zum Einsatz kam; die Zahl sei seit 2019 rückläufig.

Nutzung von fötalem Gewebe aus Abtreibungen seit Jahren umstritten

Bhattacharya betonte, die Nutzung von fötalem Gewebe aus Abtreibungen sei seit Jahren umstritten und bringe Teile der Bevölkerung in ein moralisches Dilemma. Forschung könne weiterhin mit Gewebe arbeiten, das nicht aus einer Abtreibung stamme – etwa nach Fehlgeburten, sofern es freiwillig gespendet werde.

Die Ankündigung erfolgte einen Tag vor dem jährlichen „March for Life“ in Washington, der größten Lebensrechtsdemonstration in den USA. Unter der ersten Trump-Regierung war die Verwendung von fötalem Gewebe in NIH-eigenen Laboren bereits eingeschränkt worden; nun soll nach Darstellung der Behörde auch die externe Förderung entsprechender Forschung auslaufen.

Die Verwendung fötalen Gewebes ist in den USA seit Jahrzehnten ein politischer Zankapfel. 2006 unterzeichnete der damalige republikanische Präsident George W. Bush ein Gesetz, das bestimmte Formen des zwischenstaatlichen Handels mit aus Abtreibungen stammendem fötalem Gewebe untersagte. In den Jahren 2015 und 2016 sorgten zudem verdeckt aufgezeichnete Videos des Lebensrechtlers David Daleiden für neue Kontroversen. Er behauptete, sie belegten, dass „Planned Parenthood“ Körperteile abgetriebener Babys gewinnorientiert verkauft habe. Die Abtreibungsorganisation warf ihm eine irreführende Bearbeitung des Materials vor und erklärte, es seien lediglich entstandene Kosten erstattet worden. Nach heftigen Gegenreaktionen kündigte Planned Parenthood 2015 an, auf solche Kostenerstattungen zu verzichten.

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