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U-Boote unter dem Konferenztisch

Auf dem Nato-Gipfel in der Türkei dreht Donald Trump die Stimmungs-Klimaanlage auf Anschlag. Dass er damit nicht immer erreicht, was er will, zeigt ein kanadisches Rüstungsvorhaben.
Feuilletonredakteur Henry C. Brinker, Boris Pistorius vor U-Boot
Foto: DT / IMAGO / penofoto | Läuft: Über mangelndes Interesse oder gar politischen Rückhalt kann sich der Marineausrüster TKMS gerade nicht beschweren.

Satte 20 Grad umfasst derzeit der Temperaturunterschied zwischen dem anatolischen Ankara und Nuuk, der Hauptstadt Grönlands. Arktisch kühl im Norden, im Süden sommerlich warm. So ungefähr verhält es sich auch mit dem Klima auf dem laufenden Nato-Gipfel in der Türkei. Einerseits herrscht weitgehend breite Einigkeit und ein warmes Grundverständnis über die aktuelle Bedrohungslage, andererseits hat US-Präsident Donald Trump seine allseits bekannte politische Air-Condition wieder mal auf „Max“ gedreht: Warm anziehen, heißt also die Devise für die anderen.

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„Leider haben die USA eine sehr klare Haltung zu Grönland“, beschwert sich die dänische Ministerpräsidentin ohne den sanften Lippenstift beschönigender Diplomatie. Die Haltung des Königreichs Dänemark sei aber genauso klar. Grönland stehe „nicht zum Verkauf“ und sei ein integraler Bestandteil Dänemarks, was jeder respektieren müsse. „Wir sind bereit, jeden Zentimeter des Nato-Territoriums zu verteidigen, einschließlich unseres eigenen Territoriums“, gibt sich die Sozialdemokratin Mette Frederiksen kämpferisch – und hat dabei wohl alle Nato-Staaten auf ihrer Seite.

Grönland ist nicht der einzige Streitpunkt. Weiter hängt die alte Schallplatte bei Trumps Klage über zu wenig Militärausgaben und noch weniger Solidarität am Golf. Die treulosen Verbündeten ließen die USA gegen den Iran weiter im Regen stehen, jammert POTUS.

Danke, Donald, sagt die deutsche Werft

Dass Trumps Dauer-Beef mit den Noch-Verbündeten der nordatlantischen Allianz nicht dazu geführt hat, dass der Präsident auf seinem Golfplatz ab- statt in Ankara aufschlägt, ist Erdoğan zu verdanken. Der hat seine Beziehungen spielen lassen – und quasi von Autokrat zu Autokrat dem amerikanischen Präsidenten türkischen Honig um den Mund geschmiert. Rein altruistisch handelte der neue Sultan dabei nicht: Über 4.000 Unternehmen erwirtschaften inzwischen in der Türkei satte Gewinne in der Rüstungsindustrie. Auch um Waffen und das Geld dafür geht es derzeit an der südöstlichen Nato-Flanke. Deutschland macht da keine Ausnahme: ein 60-Milliarden-U-Boot-Deal mit Kanada sichert den deutschen TKMS-Schiffsbauern die Zukunft – mit 1500 neuen Arbeitsplätzen in Kiel und Wismar. Hatte sich Trump das so vorgestellt, als er eine Vervielfachung der Rüstungsausgaben von den Bündnispartnern forderte? Eher hatte er wohl seine US-Rüstungskonzerne im Blick – und in den Ohren.

So sind die zwölf hochmodernen U-Boote nicht nur eine Ansage an Russland, sondern in zweifacher Hinsicht auch an die USA: Wir können europäisch-atlantisches Territorium selbst ohne die USA schützen, und wir schaffen dazu eine eigene industrielle Infrastruktur. Die U-Boote tauchen also nicht nur vor Grönland, sondern sind schon auf großer Fahrt unterwegs, lange bevor sie gebaut sind: unter dem Konferenztisch von Ankara.

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