Kommentar um "5 vor 12"

„Trans“ oder „transphob“ – entscheiden Sie sich!

Wenn es nicht bald eine offene Debatte zu minderjährigen Geschlechts-„Angleichungen“ gibt, werden betroffene Kinder nur noch die Wahl zwischen „trans“ oder „transphob“ haben.
Trans-Hype
Foto: Wolfgang Spitzbart | Regenbogenparade und Christopher Street Day in Wien (Österreich) - Rainbow Parade and Christopher Street Day in Vienna (Austria)

„Du glaubst, du bist trans? Dann bist du trans! Du hast Zweifel? Das ist verinnerlichte Transphobie.“ So scheint in der britischen Tavistock-Klinik behandelt worden zu sein, glaubt man den Worten des ehemaligen Patienten Ritchie Herron. Therapieergebnis: ein genitalverstümmelter junger Mensch, der niemals erfahren wird, was erfüllte Sexualität bedeutet. Perfider geht es nicht.

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Das ist ein Extrembeispiel dafür, wohin es führt, wenn auch nur die leiseste Anfrage an das Trans-Narrativ als transfeindlich gebrandmarkt wird. Ganz so weit davon entfernt sind wir in Deutschland nicht mehr, denn: Seit dem Konversionsverbot von 2020 machen sich in Deutschland die Psychotherapeuten strafbar, die, statt den kindlichen Transitionswunsch unkritisch zu bestätigen, nach anderen Ursachen für das körperliche Unbehagen forschen.

In Großbritannien lösen sich die Zungen

Heißt im Klartext: Eine Zwölfjährige kommt in eine Praxis und meint, im falschen Körper geboren zu sein. Der Therapeut hat nun die Wahl, die Behandlung abzulehnen oder das Mädchen in der Annahme zu bestärken, sie sei ein Junge. Nur dem Mädchen, statt es auf dem Weg hin zur Brustentfernung zu begleiten, helfen, seine Depression oder Angststörung zu überwinden oder mit ihrem Autismus zu leben, das darf er nicht. 
Wenn es nach den Wünschen des steuerfinanzierten staatlichen Queerbeauftragten Sven Lehmann geht, dann fällt bald auch die Ausnahme im Konversionsverbot: Dann machen sich auch Eltern, die den Wunsch ihres Kindes nach einem anderen Körper hinterfragen, strafbar. Wer diese schöne neue Welt nicht möchte, sollte bald in Aktion treten, denn die parlamentarische Sommerpause ist bald vorbei.

In Großbritannien lösen sich derweil die Zungen rund um einen der größten Skandale zu Beginn des dritten Jahrtausends. Der britischen Tavistock-Klinik, in der seit 2010 Tausende von Kindern und Jugendlichen zur Einnahme von Pubertätsblockern, gegengeschlechtlichen Hormonen bis hin zu geschlechts-„angleichenden“ Operationen gedrängt wurden, steht eine Sammelklage von mindestens 1.000 Familien wegen medizinischer Fahrlässigkeit bevor. Deutschland fällt im Vergleich auch international einmal mehr negativ auf: In Großbritannien wundert man sich über die fehlende gesellschaftliche Debatte in Deutschland. Der politische Mainstream bleibe in Bezug auf das Selbstbestimmungsgesetz „gespenstisch ruhig“, hieß es am Montag in der Londoner „Times“ und zeigt sich erstaunt, dass die konservative Opposition und Presse sich aus der Debatte um die Neuauflage des Transsexuellengesetzes weitgehend heraushält.

Es geht um eine christliche Kernkompetenz

Bei Christdemokraten und Kirchens scheint man immer noch der Meinung zu sein, kollektives Schwanzeinziehen sei im Zeichen der Nicht-Diskriminierung sexueller Minderheiten Gebot der Stunde. Doch um Nicht-Diskriminierung geht es schon lange nicht mehr, egal was Aktivisten behaupten. Stattdessen geht es um eine christliche Kernkompetenz, nämlich Schutz und Hilfeleistung für Schwächere, in diesem Fall Kinder und Jugendliche. 

Dazu braucht es allerdings den Mut, auch durch Steuern und den ÖRR geförderte Transphobie-Vorwürfe als Quittung für sachliche Argumente einzustecken. Eines davon lautet: Wenn allein in Tavistock mindestens 1.000 Familien klagen, wird gerade auch die Detransitions-Rate höher angesetzt werden. Sven Lehmanns „weniger als ein Prozent“ wird einer wissenschaftlichen Überprüfung nicht standhalten. Wie viele Katie Bells und Ritchie Herrons mit zerstörten Geschlechtsorganen braucht es noch, bevor es in Deutschland eine sachliche und faktengestützte Debatte über Geschlechtsumwandlungen bei Minderjährigen gibt?

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