London

Über 1.000 Familien könnten britische Transgender-Klinik verklagen

Mit einer Sammelklage wollen Geschädigte gegen die umstrittene Tavistock-Klinik vorgehen. Sie seien übereilt zur Einnahme von Pubertätsblockern gedrängt worden.
Tavistock-Klinik
Foto: Wikicommons | Die Schließung der Klinik erfolgt auf die immer lauter werdenden Kritiken von ehemaligen Patienten und Angestellten, die der Klinik einen unhinterfragten gender-affirmativen Ansatz sowie die unkritische Gabe von ...

Die umstrittene Tavistock-Klinik für Transgenderbehandlungen könnte mit bald einer Massenklage von über 1.000 Familien konfrontiert werden, wie die Londoner „Times“ heute berichtet. Laut der britischen Tageszeitung hat die Anwaltskanzlei Pogust Goodhead angekündigt, eine Sammelklage gegen den Träger der Klinik, den Tavistock and Portman NHS Trust, wegen medizinischer Fahrlässigkeit anzustreben. Seit 1990 wurden in Tavistock rund 19.000 Kinder mit Geschlechtsdysphorie behandelt.

Klinik soll geschlossen werden

Zahlreiche ehemalige Patienten werfen der Klinik nun vor, übereilt in die Einnahme von Pubertätsblockern mit lebenslangen Folgen gedrängt worden zu sein. Die Anwälte der Kanzlei erwarten, dass sich mindestens 1.000 Familien der Klage anschließen werden, deren Unterlagen laut der „Times“ innerhalb der nächsten sechs Monate beim High Court eingereicht werden sollen.

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Vor zwei Wochen hatte der NHS Trust bekannt gegeben, dass die Tavistock-Klinik im Frühjahr 2023 geschlossen werden soll. Die Schließung erfolgt auf die immer lauter werdenden Kritiken von ehemaligen Patienten und Angestellten, die der Klinik einen unhinterfragten gender-affirmativen Ansatz sowie die unkritische Gabe von Pubertätsblockern and junge Kinder vorwerfen. Die „Tagespost“ hat berichtet. Ausschlaggebend für die Entscheidung zur Schließung des „Gender Identity Development Service“ (GIDS) der Klink war eine unabhängige Expertise der Kinder- und Jugendmedizinerin Hilary Cass. Die Expertin stellte unter anderem fest, dass andere psychische Probleme von Kindern mit Wunsch nach einem Geschlechtswechsel systematisch ignoriert worden sind.

Übereilt in Behandlung gedrängt

Tom Goodhead, der Geschäftsführer von Pogust Goodhead, sagte der „Times“: „Kinder und Jugendliche wurden übereilt in eine Behandlung gedrängt, ohne dass die richtige Therapie und die richtigen Ärzte hinzugezogen wurden. Dadurch wurden sie falsch diagnostiziert und begannen einen Behandlungsweg, der nicht für sie angemessen war.“ Ein Sprecher von Tavistock verteidigte die Klinik wie folgt: „Der GIDS ist der Patientensicherheit verpflichtet. Wir arbeiten mit jedem jungen Menschen von Fall zu Fall, ohne zu wissen, was der richtige Weg für ihn ist. Nur eine Minderheit der jungen Menschen, die in unserem Dienst behandelt werden, nimmt während ihres Aufenthalts bei uns eine körperliche Behandlung in Anspruch.“

Die Tageszeitung „Die Welt“ veröffentlichte gestern erneut ein schockierendes Zeugnis eines ehemaligen Tavistock-Patienten, der über schwerwiegende gesundheitliche Probleme nach einer geschlechts-„angleichenden“ Operation berichtet. Ritchie Herron hat den staatlichen Gesundheitsdienst NHS und Träger der Tavistock-Klinik auf Schadensersatz verklagt. Der Grund: Tavistock dränge Teenager zu einer lebensverändernden Behandlung mit Hormonblockern. Er selbst sein schwul und seine Sexualität hätte vor der irreversiblen Geschlechtsoperation besprochen werden sollen. Wie Herron der „Welt“ erzählt, habe er bei seiner Einlieferung in Tavistock von Anfang an seine Zweifel formuliert, ob eine Geschlechtstransition das Richtige für ihn sei. Dies sei seitens der Klinik als „verinnerlichte Transphobie“ interpretiert worden.

Auch über Risiken einer Operation sei er nicht aufgeklärt worden. Nach seiner ersten Operation hatte der 35-jährige nach eigenen Angaben jahrelang schlimme Blutungen und große Schmerzen beim Wasserlassen. Zwei weitere Operationen folgten. „Erst jetzt geht es mir besser, weil ich im Grund komplett kastriert bin, erzählt Herron der „Welt“.  DT/fha

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