London

Londoner Gender-Klinik in der Kritik

Ein verheerender NHS-Report stellt dem Londoner Transgenderzentrum Tavistock ein Armutszeugnis aus.
Keira Bell - prominenteste Kritikerin des Tavistock-Klinik
Foto: Howard Jones / i-Images via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Prominenteste Kritikerin des Tavistock-Klinik ist die inzwischen 23-jährige Keira Bell, die als junges Mädchen glaubte, sie wolle ihre Geschlechtsidentität ändern.

Die umstrittene britische Klinik Tavistock für Transgender-Behandlungen von Kindern und Jugendlichen hat ein verheerendes Zeugnis erhalten. Sie sei „nicht sicher oder langfristig brauchbar“ für Kinder und Jugendliche, heißt es in einem Gutachten einer Spezialistin für Kinder- und Jugendmedizin im Auftrag des staatlichen NHS-Gesundheitsdienstes, wie die Zeitung „The Times“ berichtete.

Die Klinik des NHS-Trust Tavistock in Nord-London mit einem speziellen „Gender Identity Development Service“ (GIDS) steht schon lange in der Kritik. Dort werden Kinder mit sogenannter Gender-Dysphorie, die teils nur zwölf oder dreizehn Jahre jung sind, mit Hormonen – sogenannten Pubertätsblockern - behandelt und für eine Geschlechtsumwandlung („Transition“) vorbereitet.

Werden Hormontherapien zu schnell begonnen?

Kritiker sagen, dass tief eingreifende Hormontherapien, die die sexuelle Entwicklung irreversible verändern, zu schnell begonnen würden. Die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die im GIDS behandelt werden, ist förmlich explodiert.

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Im Jahr 2009 waren es laut „Times“ rund 50 Kinder und Jugendliche, überwiegend Jungen, bei denen „Gender-Dysphorie“ diagnostiziert wurde. Im Jahr 2020 wurden 2500 Kinder und Jugendlichen als Transgender dort behandelt – eine Verfünfzigfachung in etwas mehr als einem Jahrzehnt. Und weitere 4.600 junge Menschen stehen laut „Times“ auf der Warteliste der Gender-Klinik.

Fast drei Viertel der Patienten sind inzwischen Mädchen, die sich als Jungen fühlen und zu „Transmännern“ transitionieren sollen. Laut „Times“ leiden etwa ein Drittel Kinder und Jugendliche an Autismus oder anderen Formen von Neurodiversität, es seien auch überdurchschnittlich viele Kinder aus Heimen vertreten.
Laut dem Gutachten, das die pensionierte Jugendmedizinerin Hilary Cass im Auftrag des NHS verfasst hat, muss die Tavistock-Klinik grundsätzlich reformiert werden. Der GIDS habe keinen „normalen Qualitätskontrollen“ unterlegen.

Mehr regionale Behandlungsdienste wünschenswert

Die Klinik habe keine konsistente Datenerhebung betrieben, so dass man zu wenig über die Therapiefälle wisse. Es werde ein „fundamental anderer Dienst gebraucht“, so Cass. Der GIDS dürfe nicht länger ein Monopol über die Transgender-Behandlungen in England haben. Cass findet, dass mehr regionale Behandlungsdienste wünschenswert seien. Sie schreibt ausdrücklich, dass sie nicht wünsche, dass die Transgender-Behandlungen gestoppt würden.

Prominenteste Kritikerin des Tavistock-Klinik ist die inzwischen 23-jährige Keira Bell, die als junges Mädchen glaubte, sie wolle ihre Geschlechtsidentität ändern. Bell wurde mit 14 Jahren zum GIDS geschickt. Dort habe man sie in nur drei Sitzungen befragt. Als sie 16 Jahren alt war, begann man im GIDS, ihr Hormone zu geben.

Mit 20 Jahren ließ sie sich die Brüste chirurgisch entfernen. Aufgrund der Hormonvergabe hatte sie eine tiefe Stimme und Bartstoppel. Doch kurz darauf bereute sie ihre Entscheidung und wollte nicht länger ein „Transmann“ sein.

Bell verklagte die Tavistock-Klinik. Im Dezember 2020 urteilte der High Court in London, dass der Tavistock-GIDS sie schlecht behandelt habe. Irreversible Hormontherapien für Kinder unter 16 Jahre seien nicht zulässig, da Kinder im Alter von 14 oder 15 die langfristigen Folgen noch nicht abschätzen könnten. Lobbygruppen der Transgender-Bewegung wie die Organisation Mermaids reagierten entsetzte auf den Richterspruch.

Allerdings hat der Berufungsgerichtshof (Court of Appeal) das Urteil gegen den GIDS im September 2021 revidiert, so dass dort nun weiterhin auch Kindern Hormonen verschrieben werden können.

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