Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Zu Tode gefastet

Täglich neue Massengräber in Kenia

Hunderte Anhänger einer Sekte haben sich in einem Wald nahe der Küstenstadt Malindi zu Tode gefastet. Unter den Toten sind viele Kinder.
Tote im Zusammenhang mit Jesus-Hungersekte in Kenia
Foto: Uncredited (AP) | Polizei und Anwohner verladen die exhumierten Leichen von Opfern einer religiösen Sekte auf die Ladefläche eines Lastwagens.

In Kenia heben die Behörden täglich Massengräber aus. Hunderte Anhänger einer Sekte haben sich in einem Wald nahe der Küstenstadt Malindi zu Tode gefastet. Unter den Toten sind viele Kinder.  Die meisten Opfer wurden vom „Pastor“ Paul Mackenzie Nthenge von der „Good News International Church“ angehalten, „bis zum Tod zu fasten, um Jesus zu begegnen“. Unter den rund einhundert Mitgliedern der Sekte, die sich zum Teil selbst zu Tode gehungert haben, sollen auch Mordopfer sein. Die ersten Massengräber waren in dem Ort Shakahola im Südosten Kenias schon Mitte vergangener Woche entdeckt worden. Die Polizei spricht von einem Massaker, berichtet der vatikanische Fidesdienst.

Mehrere Verhaftungen wegen extremer Predigten

Der frühere Taxifahrer Paul Mackenzie Nthenge war laut Medienberichten seit 2003 als „Pastor“ und „Fernsehprediger“ aktiv. Seine extremen Predigten hatten ihm seit 2017 mehrere Verhaftungen eingebracht. Von den bisher 30 Autopsien, die an den geborgenen Leichen durchgeführt wurden, scheinen die meisten Menschen verhungert zu sein, aber in mindestens zwei Fällen von Kindern starben die Opfer an Erstickung und nicht an Nahrungsmangel. Schon vor der Durchführung der Autopsien hatten Polizei und Staatsanwaltschaft vermutet, dass einige Mitglieder der Sekte nicht nur verhungert, sondern auch erwürgt, erstickt oder mit stumpfen Gegenständen zu Tode geprügelt worden sein könnten. Einige der Opfer waren seit Jahren von ihren Familien vermisst worden. Die meisten stammen aus Kenia, aber auch aus Tansania und Nigeria.

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„Religion kann und sollte kein Grund sein, warum Menschen ihr Leben verlieren“, betonte nach Angaben von Fides Erzbischof Anthony Muheria von Nyeri.  „Wir verurteilen auf das Schärfste die Predigten dieses angeblichen Pastors, der die Anhänger seiner Sekte dazu gebracht hat, bis zum Tod zu fasten", erklärte auch der Vorsitzender der Kenianischen Bischofskonferenzen, Erzbischof Martin Kivuva Musonde von Mombasa.

In Kenia gibt es mehr als 4.000 registrierte so genannte Kirchen. Fast 85 Prozent der 53 Millionen Einwohner sind Christen. Mehr als 11 Millionen sind Katholiken, die sich auf 26 Diözesen verteilen. Angesichts der Ausbreitung „neuer Kirchen“, die häufig von improvisierten „Predigern“ gegründet werden, wird allgemein eine Debatte über die Regulierung religiöser Gruppen und Einrichtungen gefordert.  DT/chp

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