Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Bradford

Streit um Mohammed-Karikatur in England

Der britische Bildungsminister verurteilt Drohungen radikaler Muslime gegen einen Lehrer in Yorkshire.
Satire-Magazin veröffentlicht neue Mohammed-Karikaturen
Foto: Gerd Roth (dpa) | Nach Medienberichten soll der Lehrer im Unterricht einige der in der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ veröffentlichten Mohammed-Karikaturen gezeigt und besprochen haben.

Ein halbes Jahr nach dem Mord am französischen Lehrer Samuel Paty wegen Mohammed-Karikaturen ist nun auch in Großbritannien ein Aufruhr gegen einen Lehrer ausgebrochen, der Zeichnungen des islamischen Religionsverkünders im Unterricht gezeigt hatte. 

Die Schule in Batley nahe Bradford hat die Lehrkraft vom Dienst suspendiert, während sie eine Untersuchung durchführt. Zugleich entschuldigte sie sich bei den Eltern. In der nordenglischen Region leben seit Jahrzehnten sehr viele Muslime, besonders aus Pakistan. Nach Medienberichten soll der Lehrer im Unterricht einige der in der französischen Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ veröffentlichten Mohammed-Karikaturen gezeigt und besprochen haben.

Lesen Sie auch:

Demonstrationen gegen Lehrer und Schule

Vor der Schule in Batley in West Yorkshire kam es am Donnerstag zu lautstarken Demonstrationen gegen den Lehrer und die Schule. Daran beteiligten sich muslimische Eltern und andere Muslime, die teils durch Aufrufe in Sozialen Medien aufgestachelt wurden. Auf Bildern und Videos waren wütende bärtige Männer zu sehen, die ihre Masken abreißen und laut schreien. Einige beklagten „Islamophobie“ und riefen, die Bilder seien „so verletzend für uns“.

Bildungsminister Gavin Williamson verurteilte, dass „Drohungen“ gegen die Lehrkraft geäußert worden seien. Ein Sprecher des Ministers sagte: „Es ist niemals akzeptabel, Lehrer zu bedrohen oder einzuschüchtern. Wie sind für einen Dialog zwischen Eltern und Schulen, wenn Probleme aufkommen. Die Art der Proteste, die wir gesehen haben, darunter Drohungen und Corona-Regelverstöße, ist aber völlig inakzeptabel.“ Schulen dürften eine große Bandbreite an Material einsetzen, müssten dabei aber auch die politische Ausgewogenheit halten. Der Sprecher von Williamson vermied es, direkt auf das Zeigen von Mohammed-Karikaturen einzugehen.

Lehrkraft bat "aufrichtig um Entschuldigung"

Die Schulleitung selbst hat sich zuvor tief vor den Protestierenden verbeugt. Sie wolle „uneingeschränkt um Verzeihung bitten für den Einsatz des völlig unangemessenen Materials in einer jüngsten Unterrichtsstunde“. Die Lehrkraft habe selbst „aufrichtig um Entschuldigung gebeten“.

Eine örtliche muslimische Vereinigung „Purpose of Life“, die auch mit der Schule zusammenarbeitet, verurteilte im Internet Mohammed-Zeichnungen als zutiefst verletzend. „Das ist sadistisches Verhalten“, schrieb sie auf den Lehrer bezogen, den sie namentlich nannte. „Auch liberale Demokratien haben Grenzen der Redefreiheit.“ Purpose of Life (Sinn des Lebens) fordert, der Lehrer müsse für immer aus der Schule verbannt werden.

Dagegen kritisierte die liberale Free Speech Union (FSU), dass die Schulleitung ihre Lehrkraft vorübergehend suspendiert hat. „Wir stehen solidarisch zu dem Lehrer der Batley Grammar Schule, der vom Dienst suspendiert wurde auf Druck eines zensorischen Mobs“, schrieb der Verband, der sich für Meinungs- und Redefreiheit einsetzt. Der Entschuldigungsbrief der Schule an die Eltern käme einer Übernahme islamischer Ansichten gleich, besonders zum Bilderverbot bezüglich Mohammed, kritisierte FSU-Direktor Toby Young. Die Schule sei ihrem offiziellen Motto „Forte non ignave“ (Mutig, nicht feige) nicht gerecht geworden.

"Das ist alles aus dem Ruder gelaufen"

Am Freitag haben Schüler der Bartley Grammar School (BGS) eine Petition auf Change.org für den Lehrer gestartet. Innerhalb von zwei Stunden hatten mehr als 4.000 Menschen unterschrieben. "Der BGS-Lehrer wollte den Schülern etwas über Rassismus und Blasphemie erzählen." Er habe vor Zeigen der Zeichnungen gewarnt. "Er verdient keinen solchen Aufruhr... Das ist alles aus dem Ruder gelaufen", schrieben sie. Der Lehrer solle in den Dienst zurückkehren. Er sei nicht rassistisch oder islamophob. Die Protestler dagegen seien nicht friedlich gewesen, sondern hätte aggressiv die Polizei angeschrien und Zugänge zur Schule protestiert.

Der Streit um den Lehrer in Batley weckt in England Erinnerungen an den Fall des Lehrers Paty in Frankreich. Im Oktober 2020 war dieser von einem 18 Jahre alten tschetschenischen radikalen Muslim auf offener Straße enthauptet worden, nachdem Paty die Charlie-Hebdo-Zeichnungen in seiner Klasse gezeigt und besprochen hatte. 2015 hatten islamische Extremisten schon die Redaktion der Satirezeitung überfallen und 12 Menschen getötet.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Claudia Hansen Friedrich-Schiller-Universität Jena Islamfeindlichkeit Muslime

Weitere Artikel

Religionsunterricht ist wichtig, aber nur, wenn er nicht zur reinen Sozialkunde verkommt.
07.02.2024, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Wer die Kontrolle über den öffentlichen Rundfunk hat, besitzt die politische Deutungshoheit: Nach dieser Formel handelte erst PiS, und jetzt Tusk.
16.01.2024, 15 Uhr
Marco Fetke

Kirche

Der Salesianer Don Boscos war Dogmatiker, Bischof von Innsbruck, Erzbischof von Salzburg und Primas Germaniae.
23.02.2024, 05 Uhr
Meldung
Für Christen sei die AfD nicht wählbar, heißt es in einer Erklärung der Bischöfe. In der Partei dominiere eine „völkisch-nationalistische Gesinnung“.
22.02.2024, 16 Uhr
Meldung