Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nach dem Hamas-Terror

Sigmar Gabriel: Wir haben dabei versagt, die Zuwanderung zu begrenzen

Angesichts des muslimischen Antisemitismus spricht sich der SPD-Politiker in der "Tagespost" für einen Kurswechsel in der Migrationspolitik aus.
Sigmar Gabriel, ehemaliger  SPD-Vorsitzender und Vizekanzler
Foto: Britta Pedersen (dpa-Zentralbild) | Im Rückblick selbstkritisch: Sigmar Gabriel, ehemaliger SPD-Vorsitzender und Vizekanzler während einer Pressekonferenz der Atlantik-Brücke e.V., deren Vorsitzender er aktuell ist.

Der ehemalige SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat sich für Mäßigung in der Debatte um muslimischen Antisemitismus in Deutschland ausgesprochen. Man müsse verhindern, „dass jeder, der auf diesen langen Schatten hinweist, den der Nahost-Konflikts aus der Vergangenheit der letzten mehr als 70 Jahre bis auf die Gegenwart wirft, sofort als ,Relativierer’ des Terrors der Hamas verurteilt wird“. Nur wenn man die „tiefer liegenden Konflikte in Palästina“ thematisiere, könne man die „Pseudo-Identifizierung der Hamas mit der Sache der Palästinenser entmystifizieren“. Dies sagte Gabriel im Interview mit der „Tagespost“.

Zuerst versuchen, zu verstehen

Mit Blick auf den Fußballspieler Noussair Mazraoui vom FC Bayern München, der für einen propalästinensischen Social-Media-Post in die Kritik geraten war, sagte der ehemalige SPD-Vorsitzende und Vizekanzler, das Problem sei „ja nicht aus der Welt“, wenn der FC Bayern ihn nun entlasse. Wie für Mazraoui, für den es offenbar ungeheuer schwer sei, sich klar vom Hamas-Terror zu distanzieren, gehe es vielen arabischstämmigen Menschen. „Wenn wir den offenen oder versteckten Antisemitismus unter arabischstämmigen oder muslimischen Bürgern in Deutschland bekämpfen wollen – und ich hoffe, wir wollen das wirklich -, dann müssen wir zuerst versuchen zu verstehen, warum sie so völlig anders über den Nahost-Konflikt denken wie wir“, so Gabriel. Die Fähigkeit, „sich in die Schuhe des Anderen zu stellen“, hätte Staatsmänner wie Gustav Stresemann oder Willy Brandt ausgezeichnet. Gegenwärtig habe man dies verlernt. „Wir gehen nur noch Normen einfordernd durch die Welt. Wir wollen jedem vorschreiben, wie er zu denken hat und was er tun soll.“ Das, meint Gabriel, funktioniere so nicht.

Mit Blick auf die Migrationsdebatte übte Gabriel auch Selbstkritik: „Wir haben leider nicht nur in der Frage versagt, die Zuwanderung nach Deutschland zu steuern und zu begrenzen, sondern auch in der Integration derjenigen, die zu uns gekommen sind.“ Dabei sei „doch klar“ gewesen, dass „Flüchtlinge nicht allein durch den Eintritt in das Staatsgebiet der Bundesrepublik Deutschland automatisch zu Verfassungspatrioten werden.“ Nun sei eine deutlich stärkere Begrenzung der Migration ebenso geboten wie mehr Investition in Integration.  DT/jra

Das vollständige Interview mit dem ehemaligen Vizekanzler und Bundesaußenminister lesen Sie in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

Themen & Autoren
Vorabmeldung Antisemitismus Hamas Sigmar Gabriel Willy Brandt Zuwanderung nach Deutschland

Weitere Artikel

Vor zwei Jahren, am 7. Oktober 2023, begann die Hamas mit einem Massenmord einen Krieg, der bis heute anhält. Der Heilige Stuhl steht auf der Seite der Menschlichkeit.
07.10.2025, 11 Uhr
Stephan Baier
Die Sommerpause kann beginnen: Nach dem Reformbeschluss ist Lars Klingbeil ganz bei sich. Aber lassen sich allein mit guter Laune noch Wahlen gewinnen?
06.07.2026, 11 Uhr
Jakob Ranke

Kirche

Der eskalierende Streit zwischen Kirche und Regierung beschädigt die Autorität beider Seiten und spaltet ein Land, das von unfreundlichen Nachbarn umgeben ist.
14.08.2026, 17 Uhr
Stephan Baier
Katechismuslesen reicht nicht: Warum der Abtprimas der Benediktiner, Jeremias Schröder, der Mutter Jesu große Bedeutung für seinen Glauben beimisst.
14.08.2026, 15 Uhr
Esther von Krosigk
In Obertshausen erinnert neuerdings eine Statue an den Kirchenlehrer Johannes vom Kreuz und an den spanischen Wallfahrtsort Caravaca de la Cruz.
14.08.2026, 09 Uhr
Oliver Gierens
Tod in der Arena oder lebendig begraben im Bergbau? Im dritten Jahrhundert wurden auch Päpste zu Märtyrern. Der 13. August ist der Gedenktag des heiligen Papstes Pontianus.
12.08.2026, 21 Uhr
Claudia Kock
Wer und was in deutschen Bistümern willkommen ist, zeigt sich besonders deutlich im Umgang mit der traditionellen lateinischen Messe und der Priesterbruderschaft St. Pius X.
11.08.2026, 20 Uhr
Jakob Naser