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Russisch-afrikanische Machtspiele

Putin riskiert Hungerkatastrophen in Afrika und Nahost, um die Ukraine aus dem globalen Getreidemarkt zu werfen und sich im weltpolitischen Spiel zu halten.
Russland führt einen Getreidekrieg gegen die Ukraine
Foto: IMAGO/Sascha Steinach (www.imago-images.de) | Russland führt einen Getreidekrieg gegen die Ukraine.

Was Wladimir Putin nicht erobern kann, das versucht er zu zerstören. So kann man Russlands Strategie im Krieg gegen die Ukraine schon seit einem Jahr bilanzieren. Denn seit einem Jahr rückt die russische Armee allenfalls punktuell noch vor, während sie an anderen Frontabschnitten zurückgedrängt wird. Welchen Sinn hat dieser seit mehr als 500 Tagen währende Krieg für Moskau noch, wenn das ursprüngliche Kriegsziel, die Ukraine zu erobern und eine Moskau-hörige Regierung in Kiew zu installieren, in unerreichbare Ferne gerückt ist?

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Das jüngste Beispiel dafür scheinen die Raketenangriffe auf die Schwarzmeer-Hafenstadt Odessa zu sein. Welchen militärischen Zweck erfüllt die Zerstörung von drei Museen, die Beschädigung einer Altstadt, die zum Weltkulturerbe der UNESCO zählt, oder gar der Beschuss der orthodoxen Kathedrale, der zu Wochenbeginn die Weltöffentlichkeit schockte?

Ein Anschlag auf die ukrainische Wirtschaft

Indem Russland den Getreide-Deal mit der Ukraine platzen ließ, die Infrastruktur von Odessa ausschaltet und die Getreideexporte der Ukraine auf dem Seeweg jetzt systematisch blockiert, spielt es mit dem Hunger in weiten Teilen der Welt. Putin nimmt in Kauf, dass Millionen Menschen in Afrika und Nahost hungern müssen. Aber er tut dies mit einem strategischen Ziel: Russland will ukrainisches Getreide blockieren, um die Ukraine wirtschaftlich zu zerstören – und zugleich Afrika mit russischem Getreide schwemmen.

Bis zu 50.000 Tonnen Getreide bot Putin nun auf dem Russland-Afrika-Gipfel in St. Petersburg den afrikanischen Ländern an. Russland geht es nicht nur um die Gewinne aus dem Getreidehandel, sondern um den Zugang zu den Rohstoffen Afrikas. Und Moskau will nicht nur wirtschaftlich den Fuß in der Türe zu Afrika halten, sondern auch politisch und militärisch. Denn das Putin-Regime stützt zahlreiche afrikanische Potentaten und stellt mit den Wagner-Söldnern auch die bewaffnete Kontrolle über deren Infrastruktur.

Ein Getreidekrieg

Die Angriffe auf Odessa und die russische Blockade des Schwarzen Meeres haben diesen Sinn: Putin führt einen Getreidekrieg gegen die Ukraine, um sich als weltpolitischer Faktor im Spiel zu halten. Und der russische Patriarch Kyrill, der beim Russland-Afrika-Gipfel in St. Petersburg auf dem Podium saß, gibt diesem diabolischen Spiel auch noch seinen Segen.

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Stephan Baier Hungersnöte UNESCO Wladimir Wladimirowitsch Putin

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