Louisiana

Rod Dreher legte ein Handbuch für „andersdenkende“ Christen vor

Nach der „Benedikt-Option“ erscheint nun Drehers „Live Not by Lies“. Der bestsellerverdächtige Titel rät Christen, wie sie unter einem „sanften Totalitarismus“ leben können.
Rod Dreher bei einer Buchvorstellung
Foto: Ludek Perina (imago stock&people) | Autor Rod Dreher bei einer Buchvorstellung.

Rod Dreher hat ein neues Buch geschrieben. Das sich als Ergänzungsband zur „Benedikt-Option“ verstehende „Live Not by Lies“ widmet sich einem topaktuellen Thema: Wie können Christen, die mit zunehmend sichtbar werdenden totalitären Tendenzen in der Gesellschaft des Westens ihre Freiheit bewahren und ihrem Glauben treu bleiben? Anhand von Aussagen von Männern und Frauen, die vor dem Zusammenbruch des Kommunismus in Ostblockstaaten lebten und ihr vormaliges Leben unter der Diktatur mit gegenwärtigen westlichen Trends vergleichen, zeichnet der Autor ein düsteres, aber realistisches Bild von Gesellschaft und Politik.

Konkrete Vorschläge

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Das Politik-Magazin National Review betont in einer Rezension, dass der Autor insbesondere die Christenheit im Fokus des Kulturkampfes sieht. Viele militante Progressive in der US-amerikanischen Gesellschaft kopierten „polizeistaatliche Taktiken“, wie sie in den ehemaligen Ostblockstaaten praktiziert wurden und auch heute noch in China ausgeübt werden, vor allem auch gegenüber Christen. Die sollten ihren Kopf aber nicht in den Sand stecken und sich aus dem Alltag zurückziehen, sondern ihren Glauben beherzt bezeugen. Dreher bietet dafür konkrete Vorschläge, indem er auffordert, „den Ratschlägen von Männern und Frauen zu folgen, die während des Totalitarismus der sowjetischen Ära Verfolgung erlitten – von denen viele von Dreher als Hintergrund zu seinem Buch interviewt wurden“. In diesem Sinne zitiert der Titel den letzten Essay von Alexander Solschenizyn „Lebt nicht mit der Lüge“, den der russische Dissident vor seiner Inhaftierung durch den KGB verfasste.

Knecht der Unwahrheit

Da ihm der Hang der Sowjets für die Lüge, die Neuschreibung der Geschichte und den Psychoterror wohl vertraut gewesen sei, rief Solschenizyn seine Landsleute dazu auf, „sich zu entscheiden: Ob man absichtlich ein Knecht der Unwahrheit bleibt … oder die Lügen abschüttelt und ein ehrlicher Mensch wird, der der Achtung seiner Kinder und seiner Zeitgenossen würdig ist“, so Solschenizyn. „Vielleicht haben Sie nicht die Stärke, sich in der Öffentlichkeit zu erheben und zu sagen, was Sie wirklich glauben“, schreibt Dreher, „aber Sie können zumindest ablehnen, sich zu dem zu bekennen, was sie nicht glauben. Sie können den Totalitarismus vielleicht nicht stürzen, aber Sie können in sich und in ihrer Gemeinschaft die Wege finden, um in der Würde der Wahrheit zu leben“. Dreher ist der Ansicht, dass die Kirche im Westen, wie auch die westliche Kultur allgemein, zunehmend unter die Herrschaft eines „sanften Totalitarismus“ geraten sei. Mit diesem Begriff sei nicht die Einführung von Straflagern oder Hinrichtungen gemeint, sondern stattdessen das Phänomen, dass „progressiv gesinnte - selbstgerechte, gegenüber anderen Meinungen völlig intolerante und erstaunlich unkundige – Männer und Frauen sich bemühen, die Schalthebel der Macht von Politik oder Unternehmen zur Kontrolle dessen einzusetzen, was die Menschen denken, sagen und wie sie handeln“, heißt es in der Rezension. 

Zerstörung des guten Rufes

Man sollte jedoch nicht glauben, dass das eigene Schweigen in den Zeiten eines neuen McCarthyismus vor Verfolgung bewahren werde. Denn, wie Dreher zu Recht bemerkt, veränderten diese progressiven Utopien „andauernd die Maßstäbe des Denkens, Sprechens und Verhaltens. Man kann sich niemals sicher sein“. Und die Folgen einer Verletzung der jeweils neuen Tabus seien „extrem, inklusive des Verlusts der Existenz und der Zerstörung des guten Rufs“. DT/ks

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