Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Kommentar um „5 vor 12“

Regierung des kleineren Übels

Der Thüringer Brombeer-Koalition gehört mit Tilo Kummer ein Minister mit Stasi-Vergangenheit an. Eine Skandalisierung des Falles wäre jedoch falsch.
Tilo Kummer, Mario Voigt
Foto: IMAGO (www.imago-images.de) | Ein Sträußchen zur Ernennung, Glückwunsch vom Regierungschef Mario Voigt (rechts, CDU): Mit Tilo Kummer (links, BSW) sitzt nun ein Politiker mit Stasivergangenheit auf der Regierungsbank.

Was ist schlimmer, Björn Höcke auf der Regierungsbank oder ein Minister mit Stasi-Vergangenheit? Das fragt sich nun mancher mit Blick auf die Regierungsbildung in Thüringen. Tilo Kummer, der Umweltminister vom BSW,  war Wehrdienstleistender beim Wachregiment Felix Dzierzynski, also beim militärischen Arm der Stasi. Kummer, der heute 56 ist, verpflichtete sich vor 37 Jahren. Kann man ihm eine Entscheidung heute noch vorhalten, die er mit 19 getroffen hat? Es ist richtig, diesen biographischen Hintergrund zu thematisieren. Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, was ein Minister von heute damals gedacht hat. Es wäre auch an der Zeit, dass Kummer sich selbst dazu äußert.

Lesen Sie auch:

Ebenso muss die Frage nach der ideologischen Kontinuität erlaubt sein. Kummer war in der Linkspartei, bevor er zum BSW wechselte. Setzt sich hier eine rote Linie fort? In gewisser Weise sicherlich. Aber bitte Vorsicht bei Ad hoc-Urteilen und Pauschalisierungen. Damit dieser Fall sachlich thematisiert werden kann, darf er nicht skandalisiert werden.

Kein Grund zum Jubeln

Zurück zu Höcke: Wäre eine Beteiligung von ihm und seinen Getreuen eine Alternative zur Brombeer-Koalition? Natürlich nicht. Kummer mag in seiner Jugend Kommunist gewesen sein, Höcke ist jetzt ein völkischer Nationalist. Das BSW ist in seiner Russophilie höchst problematisch, aber es diffamiert nicht unsere Republik als System, das es zu bekämpfen gelte.

Thüringen hat nun eine Regierung des kleineren Übels. Das ist kein Grund zum Jubeln. Und die Koalition steht unter ständiger Feindbeobachtung. Die AfD lauert auf die nächsten Fehler. Mario Voigt muss schnell Erfolge liefern.

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Sebastian Sasse Alternative für Deutschland Björn Höcke

Weitere Artikel

Beim Parteitag ging es auch um das christliche Profil der Union - und genauer um die konkrete Bedeutung einer Verpflichtung gegenüber dem christlichen Menschenbild.
25.02.2026, 19 Uhr
Sebastian Sasse
Jan Philipp Burgard soll neuer Chefredakteur der „Welt“-Gruppe werden. Jetzt berichtet „Correctiv“ über Vorwürfe gegen ihn.
06.12.2024, 15 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Die Bischöfe widersetzten sich den Bestrebungen der AfD, die Kirche zu diskreditieren, so der DBK-Vorsitzende Wilmer. Bald will er in Rom die Satzung der Synodalkonferenz anerkennen lassen.
26.02.2026, 16 Uhr
Regina Einig
Vieles spricht dafür, dass sich auch in Deutschland ein stiller Aufbruch ankündigt. Für christliche Gemeinschaften kommt es darauf an, die Steilvorlage zu verwandeln.
26.02.2026, 15 Uhr
Franziska Harter
Zum ersten Mal in der Geschichte sind die Gebeine des Heiligen von Assisi in seiner Heimatstadt ausgestellt. Seit Samstag kann man sie einen Monat lang verehren.
26.02.2026, 17 Uhr
Guido Horst
Woelki, Voderholzer, Oster: Nach der Wahl des Hildesheimer Bischofs zum neuen DBK-Vorsitzenden ist die Stimmung auch unter der konservativen Bischofsminderheit positiv.
26.02.2026, 14 Uhr
Meldung
Am 28. Februar ist in Herne ein Harry-Potter-Gottesdienst geplant. Warum die Kirche Fernstehenden damit keinen christlichen Dienst erweist.
26.02.2026, 09 Uhr
Guido Rodheudt