BRÜSSEL / SALZBURG / BERLIN

„Radikale politische Agenda“, „ideologisches Diktat“

Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft und deutschsprachige Lebensrechtsorganisationen kritisieren die Forderung des Europäischen Parlaments nach Aufnahme eines „Recht auf Abtreibung“ in die Grundrechtscharta der Europäischen Union.
Marsch fuer das Leben DEU, Deutschland, Germany, Berlin, 18.09.2021 Demonstranten mit Transparent Wir Lieben Das Leben a
Foto: Stefan Boness/Ipon via www.imago-images.de (www.imago-images.de) | Wenn Abtreibung ein Bestandteil einer Grundrechtecharta sein sollte, führte das Grundrechte ad absurdum. Im Bild; Marsch für das Leben.

Die Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Gemeinschaft (COMECE) hat mit Bedauern und Kritik auf die gestrige Annahme der Resolution durch das Europäische Parlament reagiert. Die Resolution mit dem Titel „Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofes der USA, das Abtreibungsrecht in den Vereinigten Staaten zu kippen, und die Notwendigkeit das Recht auf Abtreibung und die Gesundheit von Frauen in der EU zu schützen“, ebne „den Weg eine Abweichung von allgemein anerkannten Menschenrechten“ und gewichte die „Tragödie der Abtreibung für Mütter in Schwierigkeiten falsch“, erklärt der Generalsekretär der COMECE, Pater Manuel Barrios Prieto, heute in Brüssel.

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„Das Europäische Parlament sollte sich weder in Bereiche wie die Abtreibung einmischen, der außerhalb seiner Zuständigkeit liegt“, noch „in die inneren Angelegenheiten demokratischer EU- oder Nicht-EU-Länder, so Barrios Prieto weiter. „Die Förderung radikaler politischer Agenden gefährde“ zudem „Grundrechte, wie die Gewissens- und Religionsfreiheit, die Meinungsfreiheit und die Versammlungsfreiheit“, und schade dem „sozialen Zusammenhalt“. Ferner könne die „Aufnahme eines Rechts auf Abtreibung in die Charta der Grundrechte der Europäischen Union im Zusammenhang mit einer möglichen Überarbeitung der EU-Verträge die Chancen eines solchen Reformprozesses ernsthaft gefährden“ und „die Konfrontationen“ unter den Bürgern und zwischen den EU-Mitgliedsstaaten „verschärfen“.

Ein „Recht auf Abtreibung“ bedeutet auch: Finanzierung aus öffentlichen Geldern

Stattdessen gelte es „sich für die Einigkeit unter den Europäern“ einzusetzen, „schwangere Frauen“ zu unterstützen und sie „bei der Bewältigung ihrer Schwierigkeiten in problematischen Lebenslagen zu unterstützen“, so so Barrios Prieto weiter.

Das „Salzburger Ärzteforum“ kritisierte, mit „der Etablierung eines ,Rechtes auf Abtreibung‘ in der EU-Grundrechtscharta“ würde „bis dato geltende souveräne Legislativbefugnis der einzelnen Mitgliedstaaten zu Themen wie Gesundheit, Sexualerziehung, Reproduktion und Abtreibung unterminiert und defacto abgeschafft“ „Mittelfristig“ hätte ein „Recht auf Abtreibung“ zudem „zur Folge, dass Ärztinnen und Ärzten sowie medizinischen Institutionen das Recht und die Freiheit zur Ablehnung aus Gewissensgründen abgesprochen werden könnte“. „Abgesehen von den menschlichen Tragödien würde eine Verankerung eines Rechtes auf Abtreibung auch bedeuten, dass diese aus den Mitteln für die öffentliche Gesundheit finanziert werden müssten. Somit würden alle EU-Bürger – ungeachtet ihrer religiösen und ethischen Haltung – Abtreibungen mitfinanzieren müssen, was einem ideologischen Diktat gleichkäme“, erklärte der Sprecher des Salzburger Ärzteforums, der Kinderarzt Florian Baumgartner.

„Abtreibung als Bestandteil einer Grundrechtecharta führt Grundrechte ad absurdum“

Die Vorsitzende des Bundesband Lebensrechts (BVL), Alexandra Linder erklärte: „Abtreibung als Bestandteil einer Grundrechtecharta führt Grundrechte ad absurdum: Alle Erkenntnisse der Embryologie, der pränatalen Psychologie, der Biologie et cetera stellen eindeutig fest, dass der Mensch von seiner Zeugung an Mensch ist und bereits vor der Geburt eine faszinierende personale Entwicklung durchläuft.“ Dies zu einem „Zeitpunkt zu leugnen, an dem dies noch nie so hervorragend belegt war“, führe in finsterste, antihumane, barbarische Zeiten, nach dem Motto: Wer Mensch ist, wird von anderen Menschen bestimmt. Für die Gefahren, die hinter einer solchen Entwicklung stehen, genügt der Blick in die Menschheitsgeschichte.“

Mit dem Antrag auf die USA zu verweisen, zeige „den Zynismus der ideologischen Protagonisten: Nach 49 Jahren propagierter und geförderter Abtreibung in den USA sind von über 63 Millionen so getöteten Kindern über ein Drittel afroamerikanische Kinder – bei einem afroamerikanischen Bevölkerungsanteil von unter 16 Prozent.

Die Müttersterblichkeit ist in dieser Zeit vor allem bei diesen Frauen extrem gestiegen und liegt bei 55 Frauen auf 100.000 Geburten.“

„Die Behauptung, legalisierte Abtreibung senke die Müttersterblichkeit und sei für arme Frauen in irgendeiner Weise eine Hilfe, widerlegt sich durch solche und weitere Zahlen und Fakten, die übrigens bei sauberer Recherche in allen Staaten nachzuweisen sind, selbst.“ Wenn man, wie es in der Charta heiße, in einer „friedlichen Zukunft“ auch „künftigen Generationen“ gegenüber verantwortlich sein wolle, sei es „geradezu schizophren, dort gleichzeitig zu verankern, dass künftige Generationen explizit und gewaltsam am Leben gehindert werden dürfen“. DT/reh

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