Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Demografiekrise

OSZE: Einwanderung keine langfristige Lösung für demografischen Wandel

Die Demografie stellt Länder vor Herausforderungen. Darauf geht ein jüngst von Gudrun Kugler herausgegebener OSZE-Bericht ein. Doch welche Lösungen sind wirklich nachhaltig?
Junges Paar mit Kind
Foto: imago/Winfried Rothermel | Nach einem Bericht der OSZE bedarf es für eine nachhaltige Lösung der Demografiefrage die Förderung von Familien.

„Die demografische Krise war bereits in den 1970er Jahren absehbar, wurde jedoch weitgehend ignoriert”, so heißt es in einem Bericht, den die Sonderbeauftragte für demografischen Wandel und Sicherheit der Parlamentarischen Versammlung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE), Gudrun Kugler, am Freitag in Wien vorgestellt hat. In diesem werden die tiefgreifenden Auswirkungen demografischer Veränderungen auf Sicherheit, Wirtschaft und Gesellschaft analysiert und zugleich Lösungsvorschläge unterbreitet. 

Lesen Sie auch:

Zu der Frage, ob der Arbeitskräftemangel durch Migration behoben werden kann, heißt es in dem Bericht: „Einwanderung kann Arbeitskräfte bereitstellen und vorübergehende Entlastung bieten, doch diese ist nur von kurzer Dauer und bringt komplexe, unbeabsichtigte Folgen mit sich." 

Migration hat sicherheitspolitische Konsequenzen

Auch werde bezüglich der Lösung des Demografieproblems durch Einwanderung oft übersehen, dass auch Migranten älter werden und schließlich Unterstützung benötigten. Länder, die stark auf Einwanderung setzen, bräuchten daher ständig wachsende Migrationsströme, um ihre Bevölkerungsstruktur stabil zu halten. Dies sei jedoch langfristig nicht nachhaltig, zumal auch viele Herkunftsländer bereits unter einer Geburtenrate unter dem Bestandserhaltungsniveau litten und nicht mehr unbegrenzt Migranten stellen könnten.

Auch sei eine Eingliederung von Migranten oft mit Schwierigkeiten verbunden. So könnten kulturelle Unterschiede, Unterschiede in der Bildung und hohe Arbeitslosenquoten unter Migranten den gesellschaftlichen Zusammenhalt belasten. Zudem gebe es Risiken in Form von Extremismus und einem Anstieg der Kriminalität. Die Herausforderungen für die Aufnahmegesellschaften seien vielfältig und erforderten umfassende Maßnahmen zur Integration.

Der Bericht geht zudem auf die sicherheitspolitischen Konsequenzen ein. Hierzu gehören auch ein Anstieg der Kriminalität und die Zunahme extremistischer Strömungen. Gleichzeitig könne die politische Spaltung zunehmen, wenn Migration nicht erfolgreich gesteuert werde. Der Bericht mahnt, dass eine unkontrollierte Zuwanderung das Vertrauen innerhalb der Gemeinschaft sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächen könne.

Familien müssen gestärkt werden

Der französische Demograph Arsene Dumont warnte bereits im 19. Jahrhundert mit Verweis auf das von ihm geprägte Konzept des „principe toxique“ (dt.: toxisches Prinzip) davor, dass eine Gesellschaft ohne Kinder dekadent und toxisch werde. Kuglers Bericht greift diese Perspektive auf und fordert gezielte Maßnahmen zur Stärkung von Familien und Geburtenraten, um langfristige demografische Stabilität zu gewährleisten.

Zudem müsse jede politische Antwort auf demografische Entwicklungen mit Respekt für die jeweilige Kultur, Identität und den Entwicklungsstand eines Landes gestaltet werden, um wirksam zu sein, heißt es im Bericht.

Auch wird die Bedeutung von Religion für den gesellschaftlichen Zusammenhalt hervorgehoben: Untersuchungen zeigen, dass religiöse Gemeinschaften oft eine unterstützende Rolle für Familien spielen und zur Stabilität von Gesellschaften beitragen können. Die Studie empfiehlt daher, die positiven Einflüsse von Religion auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärker in politische Überlegungen einzubeziehen. 

Zudem betont der Bericht die Bedeutung der Ehe für stabile Familienstrukturen. Forschungsergebnisse zeigen, dass stabile Ehen häufig mit höheren Geburtenraten, weniger Armut und besseren Bildungserfolgen bei Kindern einhergehen. Daher sollten politische Maßnahmen auch darauf abzielen, die Ehe als Fundament für gesellschaftliche Stabilität zu stärken.

Die OSZE empfiehlt daher, Einwanderungspolitik stärker zu steuern und parallel langfristige familienfreundliche Maßnahmen wie steuerliche Anreize für Familien, Unterstützung bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie Maßnahmen zur Stärkung des gesellschaftlichen Ansehens von Eltern zu fördern, um die demografische Krise nachhaltig zu bewältigen. DT/jna

Katholischen Journalismus stärken

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Stärken Sie katholischen Journalismus!

Unterstützen Sie die Tagespost Stiftung mit Ihrer Spende.
Spenden Sie direkt. Einfach den Spendenbutton anklicken und Ihre Spendenoption auswählen:

Die Tagespost Stiftung-  Spenden

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Einwanderungspolitik Gudrun Kugler Migranten

Weitere Artikel

Weniger Einwohner, mehr Probleme: Versinkt das schrumpfende Europa in der geopolitischen Bedeutungslosigkeit?
10.10.2026, 09 Uhr
Stephan Baier
Experten aus Politik, Wissenschaft und Kirche diskutierten bei einem Symposium über die gesellschaftlichen Folgen sinkender Geburtenraten.
27.10.2026, 15 Uhr
Gudrun Trausmuth
Das Versagen der Linken befeuert den rechtspopulistischen Fremdenhass in Südafrika. Bereits Zehntausende Einwanderer ohne gültige Papiere sind schon wieder ausgereist.
02.08.2026, 07 Uhr
Michael Gregory

Kirche

Einer Wallfahrt von Freunden der Alten Messe wird der Zugang in den Petersdom verwehrt. Nun tobt eine Schlacht um die Deutung der Ereignisse.
28.10.2026, 14 Uhr
Sebastian Ostritsch
Die Pieper-Stiftung schlägt vor, über den US-Bischof Robert Barron und seine Theologie zu debattieren. Der nimmt es mit spöttischem Humor.
27.10.2026, 16 Uhr
Sebastian Ostritsch
Das Reiseprogramm bleibt, wie ursprünglich geplant, bestätigte der Vatikan: Papst besucht Mitte November Südamerika. Knapp einen Monat nach seiner Lungen-OP.
27.10.2026, 09 Uhr
Meldung
Christus verkünden statt auf die Straße mit Gebrüll: Frankreichs Bischöfe ermutigen die Jugend, gerade jetzt in der Heiligkeit zu wachsen. Die Unruhen zeugten von Sinnsuche.
26.10.2026, 14 Uhr
José García
Proteste in Frankreich, verfolgte Lebensschützer in England: Und trotz allem gibt es für Christen immer Grund zur Hoffnung. Das meinen auch Frankreichs Bischöfe.
26.10.2026, 11 Uhr
Elisabeth Hüffer