Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Ein Jahr in Haft

Nicaragua: Regimekritiker fordern Freilassung von Bischof Álvarez

Oppositionelle und Bischöfe unterstützen eine Plattform, die sich für den Bischof von Matagalpa einsetzt. Der ist seit genau einem Jahr in Haft.
Kirche in Matagalpa
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Kirche "San Jose" in Matagalpa, Bischofssitz von Rolando Alvarez.

Bischof Rolando Álvarez von Matagalpa, der gleichzeitig Apostolischer Administrator des Bistums Estelí in Nicaragua ist, wurde vor genau einem Jahr von Truppen des Ortega-Regimes verhaftet. Nachdem sich Álvarez seit August 2022 unter Hausarrest befand, verurteilte ihn schließlich am 10. Februar 2023 ein Gericht wegen „Hochverrats“ zu 26 Jahren und vier Monaten Gefängnis. Die Verurteilung erfolgte einen Tag, nachdem der Bischof sich geweigert hatte, ein Flugzeug zu besteigen, das ihn und 222 andere politische Gefangene in die Vereinigten Staaten bringen sollte. 

Einen Monat nach der Verurteilung bezeichnete Papst Franziskus Ortegas Regime als „grobe Diktatur“. In einem Interview mit der gesamtamerikanischen Plattform „Infobae“ sagte der Papst: „Wir haben hier einen Bischof im Gefängnis, einen sehr ernsthaften, sehr fähigen Mann. Er wollte sein Zeugnis ablegen und hat die Verbannung nicht akzeptiert.“ Daraufhin erklärte Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega, der die Kirche als „Mafia“ bezeichnete, die Beziehungen zum Vatikan für abgebrochen.

Gebetstag für Bischof Álvarez

Nun hat die Plattform „Dale Vida a Nicaragua“ („Nicaragua soll leben“) einen Gebetstag ins Leben gerufen und die Bevölkerung Nicaraguas aufgefordert, „ihre Unterstützung zu zeigen und zu fordern, dass dem Bischof erlaubt wird, die Kommunion zu empfangen und die Eucharistie zu feiern. Bischof Álvarez darf seit dem 4. August vergangenen Jahres nicht mehr die heiligen Handlungen vollziehen“. Die Forderung soll in den sozialen Netzwerken verbreitet werden. Das nicaraguanische Volk wird „zur aktiven und friedlichen Teilnahme aufgerufen, um sich in der Kommunion und im Gebet dem Anliegen zu vereinen“, dass der Bischof freigelassen wird.

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Der Bewegung haben sich Oppositionsführer Juan Sebastián Chamorro und die ehemalige Guerrilla-Kämpferin Dora María Téllez angeschlossen. Sie fordern ebenfalls die Freilassung von Bischof Álvarez. Der ehemalige nicaraguanische Botschafter bei der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), Arturo McFields, schrieb auf Twitter: „Vor 365 Tagen inhaftierte die frevelhafte, satanische und feige Diktatur Ortegas Bischof Rolando Álvarez zu Unrecht. Die Macht Gottes ist größer als die des Tyrannen. Der Bischof des Volkes wird bald frei sein, und seine Kerkermeister wissen das.“

Der Weihbischof der Erzdiözese Managua, Silvio Báez, richtete Worte der Ermutigung, der Unterstützung und der Treue an Álvarez: „Rolando, wir kämpfen für deine Freiheit, anklagend und betend. Diejenigen von uns, die dich kennen und lieben, haben nicht geschwiegen. Wir werden weiterhin unsere Stimme erheben, damit diese Ungerechtigkeit, dieses Verbrechen, das an dir begangen wurde, sehr bald aufhört. Wir werden nicht aufhören, deine Freilassung zu fordern. Wir werden nicht schweigen, bis wir dich wieder unter uns haben.“

Der Willkür ausgesetzt

Yader Morazán, ein ehemaliger hoher Justizbeamter, prangerte ebenfalls die Willkür an, der der Bischof seit einem Jahr ausgesetzt ist: „Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass Bischof Álvarez seit 365 Tagen seiner körperlichen und religiösen Freiheit beraubt wird. Er wurde einem Abwesenheitsverfahren unterworfen, und ihm wurde sogar das Recht verweigert, sein Urteil zu erfahren und Berufung einzulegen. Und das alles, weil er die Wahrheit gepredigt hat, seine Herde begleitet und sich geweigert hat, zusammen mit 222 politischen Gefangenen des Landes verwiesen zu werden.“ Der Anwalt wies darauf hin, dass es in dem Prozess Dutzende von Unregelmäßigkeiten gegeben habe.

Am 28. Juni hatte der Interamerikanische Gerichtshof für Menschenrechte in einer Entschließung Nicaragua aufgefordert, Bischof Rolando Álvarez sofort freizulassen. Offenbar wurde Bischof Álvarez daraufhin im Juli für einige Stunden aus dem Gefängnis „La Modelo“ („Modellgefängnis“) entlassen. Er kehrte jedoch ins Gefängnis zurück, nachdem er sich geweigert hatte, Nicaragua zu verlassen.

Rolando Álvarez ist der erste Bischof, der verhaftet, angeklagt und verurteilt wurde, seit Ortega 2007 an die Macht in Nicaragua zurückgekehrt ist, nachdem er von 1979 bis 1985 an der Spitze einer Regierungsjunta gestanden und von 1985 bis 1990 Staatspräsident von Nicaragua geworden war.

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