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Minenfeld Gender-Diplomatie

Auf der Weltklimakonferenz in Baku warb der Vatikan für eine gerechtere Welt. Mehr Aufmerksamkeit erregte jedoch der Pakt mit „Schurkenstaaten“ in der Genderfrage.
Kardinalstaatsekretär Pietro Parolin auf der COP29
Foto: IMAGO/Dominika Zarzycka / SOPA Images (www.imago-images.de) | PR-technisch lief es für den Vatikan nicht wirklich rund auf der nun beendeten Weltklimakonferenz. Für Kritik sorgte ein gemeinsames Anliegen mit autokratischen Regimen.

Die Weltklimakonferenz in Baku ist mit zweitätiger Verspätung zu Ende gegangen – und hat dem Vatikan Negativschlagzeilen beschert. Das Ergebnis der Konferenz selbst ist überschaubar: Bis spätestens 2035 sollen die Geberländer, also vor allem Industriestaaten, 300 Milliarden Dollar pro Jahr zur Verfügung stellen, um in Empfängerländern Klimaschutzmaßnahmen und die Anpassung an den Klimawandel zu finanzieren. Bisher lautete das Ziel 100 Milliarden Dollar pro Jahr, Deutschland hatte zuletzt sechs Milliarden Euro pro Jahr versprochen. Zu konkreten Zahlungen verpflichten die Beschlüsse nicht. Auch die Höhe entspricht nicht den Wünschen der Entwicklungsländer, die nach einem Bericht des ZDF unter Bezug auf Bedarfsschätzungen etwa 1,3 Billionen Dollar jährlich gefordert hatten, mindestens aber 500 Milliarden Dollar.

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Da im Gegensatz zur letzten Weltklimakonferenz in Dubai wurden auch keine neuen Beschlüsse zur CO2-Reduzierung gefasst wurden, wird das Ergebnis überwiegend als Erreichen eines Minimalziels interpretiert – immerhin steht am Ende eine Art Einigung und kein ergebnisloses Auseinandergehen der Delegationen.

Auch der Vatikan hatte sich in den zweiwöchigen Beratungen zu Wort gemeldet und in Gestalt von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin eine Reform der internationalen Finanzarchitektur gefordert. Auslandschulden (der Entwicklungsländer) und die „ökologische Schuld“ (der Industrieländer) seien „zwei Seiten einer Münze“. Die reicheren Staaten sollten den Ärmeren ihre Schulden erlassen, so Parolin in Anlehnung an eine frühere Forderung des Papstes. Zugleich hatte Parolin auch von jedem Einzelnen Engagement gefordert: „Was kann ich tun? Wie kann ich beitragen?“ Es gelte, die Mechanismen der Selbstrechtfertigung zu demaskieren; Gleichgültigkeit sei ein Komplize der Ungerechtigkeit.

Baerbock maßregelt den Papst

Mehr Aufmerksamkeit als Parolins Rede hatte freilich die Nachricht auf sich gezogen, der Vatikan habe gemeinsame Sache mit autokratischen Regimen gemacht, um progressive Formulierungen in einem Text zu „Gender und Klimawandel“ zu verhindern. So soll nach einem Bericht der BBC eine Formulierung vom Vatikan gemeinsam mit Saudi-Arabien, Russland, Iran und Ägypten abgelehnt worden sein, nach der es hätte heißen sollen, dass die Erfahrungen, die Frauen durch den Klimawandel erführen, sich je nach deren „gender, sex, age and race“ (also „soziales Geschlecht, biologisches Geschlecht, Alter und Rasse“) unterschieden. Der Vatikan und die genannten Staaten hätten sich demnach gegen die Aufnahme von „Gender“ verwehrt, weil damit unter Frauen dann auch Transfrauen gemeint sein könnten. Im derzeit (Stand Sonntagmittag) auf der Website der Klimakonferenz abrufbaren Text zum entsprechenden Thema kommt der Satz, der der Denkschule des sogenannten „intersektionalen“ Feminismus entspringt, gar nicht vor.

Nicht zuletzt die deutsche Außenministerin Annalena Baerbock hatte sich in der Folge mit einem Seitenhieb auf den Papst hervorgetan. Auf einer Pressekonferenz zur besonderen Betroffenheit von Frauen durch den Klimawandel sagte Baerbock mit Bezug auf den Widerstand des Vatikans, man solle sich „seine Freunde immer sehr genau aussuchen, sonst steht man ziemlich alleine da“. Der Papst, so Baerbock, die sich in Ihrer dem Ende zuneigenden Amtszeit für eine ebenfalls oft kritisierte „feministische Außenpolitik“ stark gemacht hat, solle versuchen, „immer viele Frauen an seiner Seite zu haben“. (DT/jra)

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