Da hätte der Kanzler noch spirituell Kraft tanken können: Freitagmorgen, 7.30 Uhr, Heilige Messe für die katholischen Korporationen. Das Würzburger Neumünster, direkt neben dem Dom, ist pickepackevoll, trotz der frühen Uhrzeit.
Am Vorabend hatte die Arbeitsgemeinschaft katholischer Studentenverbände zu ihrem traditionellen Empfang gebeten. Joachim Herrmann, bayerischer Innenminister und bekennender CVer, hatte den Festvortrag gehalten. Der erwärmte nicht nur die Herzen der katholischen Korpos, indem er ihnen dafür dankte, dass sie sich quasi seit Jahrhunderten als aktive Bürger für das Gemeinwohl engagieren und dadurch, weil sie dies ja aus ihrem Glauben heraus tun, so etwas wie Idealtypen eines katholischen Laien sind.
Die gebrochenen Versprechen machen dem Kanzler zu schaffen
Herrmann gab mit seinem Vortrag auch den Startschuss, bei dem die vielen Gäste im Haus der CV-Verbindung Markomannia, traumhaft schön direkt am Main gelegen, für einen Abend mit vielen Gesprächen zusammentrafen. Für das also, was man seit einem halben Jahrhundert Networking nennt, was aber in der katholischen Verbindungswelt schon mindestens 150 Jahre länger ganz selbstverständlich praktiziert wird.
Kurz: Hier versammelt sich ein Milieu, das ein ganz spezielles politisches Vorfeld bildet. Eigentlich müsste Friedrich Merz, einst als Student aktiv bei der CV-Verbindung Bavaria, der Traumpolitiker an sich in dieser Szene sein. Und für ganz viele war er das auch. Doch dann kam die Zeit nach der Wahl. Die gebrochenen Versprechen, sie machen dem Kanzler, wie so vielen Merz-Ultras a.D., zu schaffen. Auch sein ungeschicktes Verhalten im Fall Brosius-Gersdorf hat hier viel Vertrauen zerstört. Ein Symptom: Wenn der Name von Armin Laschet fällt, auch er ein Cartellbruder, bekommen viele leuchtende Augen. Wäre der vielleicht doch der bessere Kanzler gewesen?
Man sieht: Der Kanzler hat echte Klima-Probleme. Wenn er bei diesen eigentlich Treuesten der Treuen schon Sympathieprobleme hat, dann wird es schwierig. Mit einem Besuch bei der Messe hätte er nicht nur gut Wetter gemacht, sondern auch viele seiner Farben-, Cartell- und Bundesbrüder hätten ihm aufmunternd auf die Schulter geklopft. Denn bei aller Kritik: Dass er tatsächlich scheitert und mit ihm die Regierung, wollen sie nicht.
Das könnte zum Klimaproblem werden, existenziell – nicht die Claqueure von Katholikentag-Talks.
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