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Meister Xi zieht eine rote Linie

Chinas starker Mann erklärte Donald Trump seinen Besitzanspruch auf Taiwan und drohte Amerika auf überaus chinesische Art.
Der chinesische Präsident Xi Jinping und der US-Präsident Donald Trump
Foto: IMAGO / Xinhua | Jenseits seiner perfekt inszenierten Gastgeberrolle hat Chinas starker Mann Xi Jinping Donald Trump klar in die Schranken gewiesen.

Alte Kulturen können wunderbare Gastgeber sein, und China ist eine der ältesten Kulturen der Welt. Kein Wunder, dass selbst ein neureicher Angeber vom Schlag eines Donald Trump in seiner Ansprache an Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping beeindruckt bekannte: „Es ist eine Ehre, Ihr Freund zu sein.“ Der US-Präsident erhielt eine vorzügliche Behandlung, kann wunderbare Erinnerungen, prachtvolle Fotos und sogar ein paar ökonomische Deals mit nach Hause nehmen.

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Vielleicht ist das in kargen Zeiten, in denen die militärische Weltmacht Nummer Eins daran scheitert, den Schurkenstaat Iran niederzuringen, auch schon mehr, als Washington erwartete. Vielleicht braucht Trump seinen „Freund“ Xi auch noch, um die weltwirtschaftlich dringliche Normalisierung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus zu erreichen. Und vielleicht reichen ein paar Deals und ein paar Hoffnungen darauf sogar für die Midterms.

Die Thukydides-Falle

Doch jenseits seiner perfekt inszenierten Gastgeberrolle hat Chinas starker Mann Donald Trump klar in die Schranken gewiesen: Sollte die Taiwan-Frage schlecht gehandhabt werden, könnte das die Beziehungen zwischen China und den USA in eine „äußerst gefährliche Lage bringen“, ließ Xi sein Gegenüber wissen. Gemeint ist: Wenn die USA an Taiwan jene Waffen liefern, die Trump versprochen hat und die Taiwan zur Selbstverteidigung braucht, dann kracht’s! Dass Peking die Insel als abtrünnige Provinz betrachtet, die so oder so (friedlich oder militärisch) anzuschließen ist, kann niemanden überraschen. Aber dass der mittlerweile unumschränkte Herrscher Chinas das Verhältnis zu den USA singulär von dieser Frage abhängig macht, ist jetzt so deutlich artikuliert worden wie noch nie.

Elegant und zugleich frontal war, dass Xi Jinping auf einen US-amerikanischen Politikwissenschaftler zurückgriff, um dem US-Präsidenten die Dramatik der Weltlage zu erklären. Er warnte vor der „Thukydides-Falle“. Der antike griechische Geschichtsschreiber hatte die These vertreten, dass der Peloponnesische Krieg angesichts der Furcht Spartas vor dem Aufstieg Athens unvermeidlich gewesen sei – obgleich er am Ende beide ruinierte. Der US-Politikwissenschaftler Graham T. Allison schmiedete daraus 2012 die These, dass es meist zum Krieg kommt, wenn sich eine dominante Macht durch eine aufstrebende Macht in ihrer Hegemonie bedroht fühlt.

Für den Moment Augenhöhe

In Washington darf man nun rätseln, ob Xi Jinping vor Kriegsgefahr warnte oder mit Krieg drohte. Klar sollte jedenfalls sein, dass China sich als Weltmacht längst auf Augenhöhe mit den USA wähnt und auch entsprechend behandelt werden möchte. Peking betrachtet Taiwan als sein Eigentum und behandelt weite Teile Asiens und Afrikas bereits seit längerer Zeit als seinen Hinterhof und sein Rohstoffreservoir.

Die Warnung vor der „Thukydides-Falle“ bedeutet, dass die USA sich der immer stärkeren Weltmachtrolle Chinas nur ja nicht entgegenstellen sollen. Vielmehr sollen China und die USA, wie Xi formulierte, „ein neues Modell für die Beziehungen zwischen Großmächten“ schaffen. Für den Augenblick heißt das wohl: Gleichberechtigung und Augenhöhe. Aber Xi Jinping, der Sohn einer alten und selbstbewussten Kultur, denkt über seine Amts- und Lebenszeit hinaus.

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Stephan Baier Donald Trump

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