Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Nach Angriff der Hamas

Markus Stephan Bugnyár hält Mehrfrontenkrieg in Israel für denkbar

Die Angriffe der Hamas auf Israel seien überraschend, aber nicht völlig aus dem Nichts gekommen, so der Rektor des Österreichischen Pilgerhospizes in Jerusalem.
Markus Bugnyár, Rektor des Österreichischen Pilgerhospizes in Jerusalem
Foto: privat | Eine wie auch immer geartete Lösung des Nahostkonflikts könne ausschließlich von den politischen Akteuren vor Ort, nicht jedoch von außen erarbeitet werden, meint Markus Bugnyár.

Von „absoluter Fassungslosigkeit“ über die Angriffe der radikalislamischen „Hamas“ auf Israel spricht der Rektor des Österreichischen Pilgerhospizes in Jerusalem, Markus Stephan Bugnyár. „Wie konnte es einem Staat wie Israel, der über verschiedene Inlandsgeheim- beziehungsweise Nachrichtendienste verfügt, passieren, so eine massive Bedrohungslage nicht wahrzunehmen?“, fragt der Geistliche, der die Pilgerherberge der katholischen Kirche Österreichs in der Altstadt Jerusalems seit fast 20 Jahren leitet, gegenüber der „Tagespost“. Vielen seiner israelischen Freunde würden derzeit die Worte fehlen, „um das fassen zu können“.

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Bugnyár warnt jedoch davor, dass sich unter den arabischstämmigen Einwohnern im Osten Jerusalems, „die mit der Sache der Palästinenser sympathisieren, etwas zusammenbraut“. Noch sei die Lage dort ruhig, „aber es könnte durchaus passieren, dass sich ein Großteil der Menschen diesen Aufständen anschließt und Israel dann an mehreren Fronten wird kämpfen müssen“.

Bugnyár: Lage spitzt sich schon seit geraumer Zeit zu

Die Angriffe vom Wochenende seien Bugnyár zufolge zwar überraschend, jedoch nicht vollständig aus dem Nichts gekommen. Schon seit geraumer Zeit spitze sich die Lage zwischen Israelis und Palästinensern in vielen Städten der Westbank immer weiter zu. „Hinzu kommt, dass Israel aufgrund der geplanten umstrittenen Justizreform durch die Regierung Netanjahu sowie der zahlreichen, von hunderttausenden Menschen unterstützten Demonstrationen und Streiks gegen eben genau diese Justizreform zutiefst gespalten ist“, so der Rektor des ältesten nationalen Pilgerhauses im Heiligen Land. Nicht wenige Israelis würden mutmaßen, „dass dieser erbittert geführte Streit zwischen Gegnern und Befürwortern der Justizreform Israel als Ganzes gegenüber seinen äußeren Feinden schwächen werde“.

Der internationalen Staatengemeinschaft rät der 48-Jährige indes zu Zurückhaltung mit gut gemeinten „Ratschlägen von außen“ – insbesondere gegenüber Israel. „Denn langgehegte politische Vorhaben wie eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahostkonflikt zwischen Israel und den Palästinensern durchzusetzen, wird aus Sicht der meisten Israelis mittlerweile für nicht umsetzbar gehalten.“ Eine wie auch immer geartete Lösung des Nahostkonflikts könne ausschließlich von den politischen Akteuren vor Ort, nicht jedoch von außen erarbeitet werden.  DT/mlu

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