Malaysia: Erster Christ wird Generalstaatsanwalt

Der neue Premierminister Mohammed Mahathir setzt sich gegen den Widerstand konservativer islamischer Politiker und Aktivisten durch und ernennt den indischstämmigen Christen Tommy Thomas zum Generalstaatsanwalt.
Ramadan in Malaysia
Foto: Chong Voon Chung (XinHua) | 02.06.2018, Malaysia, Kuala Lumpur: Gläubige Muslime brechen im Rahmen des heiligen Fastenmonats Ramadan gemeinsam das Fasten für den Tag. Foto: Chong Voon Chung/XinHua/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ |

Erstmals ist im mehrheitlich muslimischen Malaysia ein Christ zum Generalstaatsanwalt ernannt worden. Der neue Premierminister Mohammed Mahathir hatte sich gegen den Widerstand konservativer islamischer Politiker und Aktivisten für die Ernennung des indischstämmigen Tommy Thomas stark gemacht und Malaysias König ihr am Dienstag zugestimmt, wie malaysische Medien berichteten. Der Generalstaatsanwalt besetzt eines der wichtigsten politischen Ämter Malaysias. Er ist zugleich Justiz- und Verfassungsminister sowie oberster Ermittler und Ankläger. Der von indischen Einwanderern abstammende Thomas gehört der Mar-Thoma-Kirche an, die in einer Glaubens- und Kommuniongemeinschaft mit der Anglikanischen Kirche steht. Der bisherige Rechtsanwalt gilt als exzellenter Jurist. Zu den Fachgebieten des 1952 in Kuala Lumpur geborenen Thomas gehören neben Verfassungsrecht auch Verwaltungs- und Wirtschaftsrecht.

Konservative Muslime sehen in der Berufung des indischstämmigen Christen eine Gefahr für die Rechte der ethnischen Malaien und die Stellung des Islam in Malaysia. Die abgewählte Regierung des ehemaligen Premierministers Najib Razak von der islamisch-nationalistschen Partei UMNO hatte sich in den letzten Jahren nur noch mit Hilfe einer willfährigen Justiz mit dem damaligen Generalsstaatsanwalt Mohamed Apandi Ali an der Spitze an der Macht halten können. Apandi verhinderte Ermittlungen über Najibs Rolle im Korruptionsskandal um den staatlichen Investitionsfonds 1MDB. Aus dem Fonds sind rund vier Milliarden US-Dollar (3,4 Milliarden Euro) verschwunden. 700 Millionen Dollar (598 Millionen Euro) aus dem Fonds waren auf einem Privatkonto von Najib wieder aufgetaucht. Gleichzeitig ließ der ehemalige Generalstaatsanwalt Kritiker des Najib-Regimes verfolgen und wegen Volksverhetzung anklagen.

Die seit über 60 Jahren regierende UMNO hatte die Parlamentswahl am 9. Mai verloren. Damals waren erstmals auch die ländlichen muslimischen Malaien in Scharen zur Opposition übergelaufen. Die ehemalige Opposition stellt seitdem nicht nur die malaysische Regierung, sondern gewann auch die Macht in 8 der 13 malaysischen Bundesländern.

DT/KNA

 

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