Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Yad Vashem/Davos

Kommentar um "5 vor 12": Neue deutsche Moral-Hybris

Ein Tagesschau-Kommentar zur Gedenkveranstaltung in Yad Vashem sowie die Kritik des Grünen-Chefs Robert Habeck an Trumps Auftritt in Davos zeigt: Die Deutschen sind gut im Moralisieren.
Holocaust-Gedenken in Israel
Foto: Abir Sultan (EPA POOL/AP) | Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hält eine Rede während des 5. Welt Holocaust Forums in Yad Vashem.

Erst Robert Habeck und jetzt das. Für Unmut sorgt ein „Tagesschau“-Kommentar zu einer Veranstaltung in Yad Vashem, die in Erinnerung an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz stattfand. Während der Redeauftritt des Bundespräsidenten in höchsten Tönen gelobt wurde, bekam ausgerechnet der Veranstalter und – mit Blick auf die Geschehnisse vor 75 Jahren – Hauptbetroffene, der israelische Staat, von der deutschen ARD-Journalistin sein Fett weg. Das ganze sei eine „vertane Chance im Kampf gegen Antisemitismus“ gewesen. Und: „Unwürdig war dagegen, wie Israel und Russland diesen Gedenktag teilweise kaperten. Wie sie vor der offiziellen Veranstaltung sozusagen ihre eigene politische und erinnerungspolitische Privatparty feierten“.

Unangemessene Worte von Robert Habeck

Unangemessene Worte. So wie die des Grünen-Chefs in Davos, der einen demokratisch gewählten US-Präsidenten als „Gegner“ bezeichnete. In beiden Fällen: Worte und Beurteilungen, in denen sich offenbar eine neue deutsche Moral-Hybris manifestiert. Egal ob Opfer oder alliierte Befreier – 75 Jahre nach Ende des Krieges wollen die Nachfahren der Täter die Welt lehren, was gut und böse ist. Ein groteskes Phänomen. Die Erinnerungskultur bedarf einer demütigen Neujustierung.

Lesen Sie ab sofort täglich um 5 vor 12 einen Online-Kommentar aus der Tagespost-Redaktion zu aktuellen kirchlichen, politischen und gesellschaftlichen Themen.

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen. Kostenlos erhalten Sie die aktuelle Ausgabe

Themen & Autoren
Stefan Meetschen Antisemitismus Demokratie Robert Habeck

Weitere Artikel

Der Landesvorsitzende der FDP in NRW hält den islamischen Religionsunterricht in seiner derzeitigen Form für nicht tragbar. Wofür er stattdessen plädiert.
14.08.2026, 07 Uhr
Henning Höne
Der Mauerbau beweist den verbrecherischen Charakter des SED-Regimes. Trotzdem gibt es bis heute nur eine unzureichende Erinnerungskultur an die Opfer.
12.08.2026, 19 Uhr
Sebastian Sasse

Kirche

Überraschend praktisch weist Jesus seine Jünger an, wie Konflikte in vier Schritten zu lösen sind.
05.09.2026, 21 Uhr
Kurt Kardinal Koch
Rupniks Mosaike in Lourdes werden nicht mehr enthüllt. Warum der Bischof des französischen Marienheiligtums einen anderen Weg geht als seine Mitbrüder in Fátima und Aparecida.
05.09.2026, 19 Uhr
Regina Einig
Joseph Zen trat als entschiedener Unterstützer der von China niedergeschlagenen Demokratiebewegung in Hongkong auf. Gegen eine Verurteilung will er vor das Oberste Gericht ziehen.
04.09.2026, 16 Uhr
Meldung
Die heilige Teresa von Kalkutta und die reale Gegenwart Jesu in den Armen.
05.09.2026, 07 Uhr
Pater Brian Kolodiejchuk