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Kommentar : Der Hybris ein Ende

Wer in die menschliche Keimbahn eingreift und dort den „genetischen Code“ umzuschreiben sucht, könnte die falschen Worte in einer Sprache weglassen, die er nur in Ansätzen versteht und von deren Grammatik er allenfalls eine rudimentäre Kenntnis hat. Von Stefan Rehder
Keimbahneingriffe: Schlicht Hybris
Foto: Angelika Warmuth (dpa) | Was schon bei Pflanzen und Tieren gefährlich ist, weil niemand die langfristigen Folgen abzuschätzen vermag, die solche Eingriffe in Ökosysteme zeitigen können, ist beim Menschen schlicht Hybris.

„Schreiben ist leicht. Man muss nur die falschen Worte weglassen“, witzelte einst Mark Twain. Wer wüsste besser als Journalisten, wie kompliziert dies sein kann? Unendlich kompliziert gestaltet sich das Schreiben jedoch für den, der die falschen Worte in einer Sprache wegzulassen sucht, die er nur in Ansätzen versteht und von deren Grammatik er allenfalls eine rudimentäre Kenntnis hat.

„Heute lernen wir die Sprache,
in der Gott das Leben schuf“
Bill Clinton, ehemaliger US-Präsident, im Jahr 2000

Genau dies aber unternimmt, wer in die menschliche Keimbahn eingreift und dort den „genetischen Code“ umzuschreiben sucht. Was schon bei Pflanzen und Tieren gefährlich ist, weil niemand die langfristigen Folgen abzuschätzen vermag, die solche Eingriffe in Ökosysteme zeitigen können, ist beim Menschen schlicht Hybris. Wer glaubt, verfallen sei ihr bloß der Chinese He Jiankui, der Ende letzten Jahres die Geburt zweier genetisch veränderter Zwillingsmädchen verkündete, irrt. Als am 26. Juni 2000 zeitgleich in Washington, London, Paris, Peking, Tokio und Berlin der Welt eine erste Arbeitsversion des menschlichen Genoms präsentiert wurde, verkündete der damalige US-Präsident Bill Clinton: „Heute lernen wir die Sprache, in der Gott das Leben schuf.“

Am Thron Gottes sollte der Mensch nicht rütteln wollen

Manch einer meinte damals, aus diesem Worten auch Ehrfurcht herauslesen zu können. Heute wissen wir, es war jene Art von Ehrfurcht, mit der Thronräuber von fremden Thronen zu träumen pflegen. Am Thron Gottes sollte der Mensch nicht rütteln wollen. Nicht nur weil es völlig utopisch ist, anzunehmen, der Mensch könne die Sprache, mit der Gott das Leben schuf, jemals besser beherrschen, als dieser selbst. Sondern auch, weil es das Verbrechen schlechthin wäre, wenn der Mensch den Menschen nach seinem eigenen Bilde zu erschaffen suchte.

Ferner gilt: Wo Menschen einander wie Maschinen entwerfen und konstruieren, werden Gleichheit und Freiheit zur Fiktion und der Chance auf ein friedliches Zusammenleben der Boden entzogen. Darum: Hände weg von der Keimbahn!

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Bill Clinton Mark Twain

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