Werbeverbot für Abtreibung

Kaminski: Wert menschlichen Lebens verliert zunehmend an Bedeutung

Es gebe „sehr viele Bestrebungen, den Wert des menschlichen Lebens zu relativieren“, so die Lebensrechtlerin. Kritik übt sie auch an der geplanten Streichung von §219a.
SPD will § 219a abschaffen
Foto: Boris Roessler (dpa) | Kaminski kritisierte in dem Gespräch auch, dass der Lebensschutz für die deutsche Kirche eine zunehmend untergeordnete Rolle spiele.

Der Wert menschlichen Lebens verliert für die Gesellschaft immer mehr an Bedeutung. Diese Befürchtung äußerte die Bundesvorsitzende der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA), Cornelia Kaminski, im Gespräch mit dem bundesweiten christlichen Radiosender katholischer Prägung „Radio Horeb“.

§219a als integraler Bestandteil des Schutzkonzepts

Es gebe „sehr viele Bestrebungen, den Wert des menschlichen Lebens zu relativieren“, so Kaminski. „Das Konzept der Menschenwürde trägt offensichtlich gar nicht mehr, sondern Menschenwürde wird zusehends als eine Eigenschaft gesehen, die man jemandem zuschreiben kann, aber nicht als eine Qualität, die dem Menschen innewohnt.“ Ob jemand Träger von Menschenwürde sei und das Leben dadurch wertvoll und schützenswert, könne von einer anderen Person bestimmt werden.

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Die Entwicklung äußere sich nicht nur bei vorgeburtlichen Kindstötungen, sondern auch in den Bestrebungen, kranken oder behinderten Menschen ihre Menschenwürde abzusprechen – was zur Folge hätte, „dass man sie töten darf“, so die Lebensrechtlerin Kaminski. 

Zudem verteidigte Kaminski auch das Werbeverbot für Abtreibungen (§219a StGB), den die Ampelkoalition abschaffen möchte. Der Paragraph sei in ihren Augen „ein integraler Bestandteil des Schutzkonzepts“. Die Behauptung, ein Werbeverbot des Lebensschutzes habe gar nichts mit dem Lebensschutz selbst zu tun, sei „absurd“. Sie fürchte jedoch, dass die Streichung des §219a lediglich die Vorbereitung sei auf eine weitergehende Liberalisierung der Abtreibung insgesamt.

Lebensschutz spielt für Kirche untergeordnete Rolle

Kaminski kritisierte in dem Gespräch auch, dass der Lebensschutz für die deutsche Kirche eine zunehmend untergeordnete Rolle spiele. So komme er beispielsweise im Programm des kommende Woche stattfindenden Katholikentags in Stuttgart gar nicht vor. „Es scheint so zu sein, dass es vielen Amtsträgern in der Kirche total wichtig ist, auf die Rechte einer eher kleinen gesellschaftlichen Community sehr viel Rücksicht zu nehmen, wie beispielsweise die Regenbogen-Community.“ Die „große, stille Menge der ungeborenen Kinder“, für die viel mehr auf dem Spiel stehe als eine Segnung, komme in der Kirche nur noch „sehr, sehr verhalten oder gar nicht mehr“ vor.

Dem Bundesverband Lebensrecht sei mitgeteilt worden, dass er beim Katholikentag keinen Stand betreiben dürfe. „Da kriegen wir nie irgendwie einen Programmpunkt zugewiesen, obwohl wir das immer beantragen“, beklagte Kaminski.

Am Freitag findet in Fulda die Gründungsversammlung für die „Seelsorger für das Leben“ statt. Dabei handelt es sich um eine neue, von der „ALfA“ mitbegründete Initiative. In Zukunft sollen von ihr unter anderem Arbeitskreise zu Schwerpunktthemen wie Abtreibung dem assistierten Suizid angeboten werden.  DT/mlu

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