Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung ARC-Konferenz

Jordan B. Peterson: Konservative aus aller Welt tagen in London

Internationale Vertreter aus Politik, Gesellschaft, Wirtschaft und Kultur, die sich als konservativ verstehen, haben ein grün-linkes Narrativ ausgemacht. Der Beschwörung einer „Permakrise“ wollen sie als "Alliance for Responsible Citizenship" bei einer Konferenz in London eine aus ihrer Sicht zukunftsträchtigere Vision entgegensetzen. Hauptinitiator ist Jordan Peterson.
Der kanadische Psychologe und Intellektuelle Jordan B. Peterson
Foto: imago stock&people (imago stock&people) | Bürgerliche, konservative und konservativ-liberale Kräfte international zu bündeln ist das Ziel des Bündnisses, das sich um den kanadischen Psychologen und Intellektuellen Jordan B. Peterson gebildet hat.

In London hat am Montag die erste weltweite Konferenz der „Alliance for Responsible Citizenship“ (ARC) begonnen. Bürgerliche, konservative und konservativ-liberale Kräfte international zu bündeln und in Zeiten weltweiter Krisen eine im Sinne der Veranstalter hoffnungsvolle Vision der Zukunft entwickeln: das ist das Ziel des Bündnisses, das sich um den kanadischen Psychologen und Intellektuellen Jordan B. Peterson gebildet hat. Die dreitägige Konferenz versammelt über 3.000 Persönlichkeiten aus Politik, Gesellschaft, Kultur und Wirtschaft aus allen Kontinenten. Nach den Angaben der Organisation befinden sich darunter über 100 Parlamentsmitglieder und eine Delegation US-amerikanischer Kongressabgeordneter. 

Auch US-Bischof Robert Barron nimm teil

Zu den Rednern zählt auch der frisch gewählte Sprecher des US-Repräsentantenhauses und evangelikale Christ Mike Johnson, der auch zum Lenkungsausschuss von ARC gehört. Aus dem deutschsprachigen Raum ist die österreichische Parlamentsabgeordnete und ÖVP-Politikerin Gudrun Kugler im Lenkungsausschuss der Organisation vertreten. Weitere bekannte Namen sind der schottische Historiker Niall Ferguson, die junge US-amerikanische Politik-Kommentatorin Candace Owens sowie der ehemalige Australische Premierminister John Howard. Für Katholiken interessant: Auch Bischof Robert Barron nimmt an der Konferenz teil und wird sich an einer Podiumsdiskussion beteiligen.

Lesen Sie auch:

In einem im Frühjahr veröffentlichten Video skizzierte Jordan Peterson die Konturen des entstehenden Bündnisses, das „eine alternative Vision zum apokalyptischen Narrativ, das zumindest implizit von Organisationen wie dem Weltwirtschaftsforum verbreitet wird“, entwickeln wolle. Wenig später erschien auch auf Deutsch das „Konservative Manifest“ des emeritierten Psychologieprofessors, eine Einladung an alle „Menschen guten Willens“, sich der tiefen Sinnkrise der Gegenwart entgegenzustellen – durch die Rückbesinnung auf traditionelle Werte. Weltweit bekannt wurde Peterson nicht nur durch seine Vorlesungen auf Youtube, wo er über sieben Millionen Abonnenten besitzt, sondern auch durch seinen medienöffentlichen Kampf gegen woke Tendenzen an amerikanischen Universitäten und gegen die Genderideologie. 

Ablehnung eines als links-grün wahrgenommenen Mainstreams

Die einzelnen Programmpunkte der Konferenz sind sechs unterschiedlichen Schlüsselfragen zugeordnet: Aspekte, die dabei angesprochen werden sollen, sind unter anderem die Frage nach einem verantworteten Staatsbürgerbewusstsein, die Zukunft der Familie oder die Bedeutung von freiem Unternehmertum. Auch strategische Punkte, etwa die Entwicklung von eigenen Visionen wie von wirkungsmächtigen Narrativen, sollen diskutiert werden. Bereits vor der Konferenz lud das Bündnis auf seiner Website alle Interessierten dazu ein, einen Beitrag zur Beantwortung der Fragen zu leisten. Das Bündnis kündigt außerdem an, sich so bald wie möglich für eine breite Mitgliedschaft zu öffnen, um eine breite, demokratische Zusammenarbeit auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene zu ermöglichen. 

Die Teilnehmer verbindet die Ablehnung eines politischen Mainstreams, der als links-grün geprägt wahrgenommen wird. Darüber hinaus ergibt sich mit Blick auf die Kongressbesucher aber ein durchaus heterogenes Bild. In einem von den Organisatoren als kritischen Augenblick in der Menschheitsgeschichte wahrgenommenen Zeitpunkt identifizieren die Gründer von ARC den Verlust von Sinn, Ziel und Bestimmung als tiefere Ursache für die Krisen, Katastrophen und Konflikte der Gegenwart. Das Gegenmittel: eine Wiederentdeckung der westlichen Zivilisation, die in der Vergangenheit dafür gesorgt habe, dass der größte Teil der Weltbevölkerung heute unter besseren Bedingungen lebt als jemals zuvor. Der Mensch sei mehr als ein gewissenloser Konsument und könne Verantwortung übernehmen für sich und für seine Gemeinschaften, von der Familie bis hin zum Staat, lautet die Botschaft von ARC. 

Peterson: Menschheit am Rande einer apokalyptischen Katastrophe

„Wir von ARC glauben nicht, dass die Menschheit zwangsläufig und unausweichlich am Rande einer apokalyptischen Katastrophe steht. Wir glauben nicht, dass wir Wesen sind, die in erster Linie von Macht- und Herrschsucht getrieben werden. Wir betrachten uns und unsere Mitbürger nicht als zerstörerische Kräfte, die in einem entfremdeten Verhältnis zur unberührten und reinen Natur leben“, betont Jordan Peterson in einem weiteren Video. „Wir gehen davon aus, dass gläubige und entscheidungsfreudige Männer und Frauen, die nach dem Ebenbild Gottes geschaffen wurden, ihre Angelegenheiten mit Sorgfalt und Achtsamkeit regeln können, so dass alle Menschen davon profitieren können“.  DT/fha

Die Printausgabe der Tagespost vervollständigt aktuelle Nachrichten auf die-tagespost.de mit Hintergründen und Analysen.

Themen & Autoren
Meldung Gudrun Kugler Jordan Peterson Katholikinnen und Katholiken Konservative Niall Ferguson Robert Barron

Weitere Artikel

...und er heißt nicht Jordan Peterson! Mit der Gottesfrage steht und fällt jedes Projekt, das mit dem Anspruch auftritt, die Welt zu verbessern.
21.01.2024, 21 Uhr
Franziska Harter

Kirche

Der theologische Diskurs in Deutschland kokettiert mit dem Zweifel. Die Wahrheit des Christentums aber lässt sich nicht relativieren.
14.07.2024, 11 Uhr
Sebastian Ostritsch
Wenn Jesus seine Apostel aussendet, um die Frohe Botschaft zu verkünden, dann gibt er auch die nötigen Mittel dazu.
14.07.2024, 07 Uhr
Manfred Hauke
Im Jahr 2025 jährt sich das Erste Ökumenische Konzil von Nizäa zum 1700. Mal. Ein Gespräch mit dem Kirchenhistoriker Michael Fiedrowicz über die Streitkultur der frühen Kirche.
13.07.2024, 09 Uhr
Regina Einig