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Indonesien: Radikaler Islam immer einflussreicher

20 Jahre nach dem Ende der Diktatur ist der Islam zur alles dominierenden gesellschaftlichen Kraft in Indonesien geworden. Bei der Jugend sowie an Universitäten trägt der totalitäre Islam besonders gute Früchte.
Muslime protestieren gegen Playboy in Indonesien
Foto: epa Bagus (EPA) | Muslime protestieren in Indonesien Hauptstadt Jakarta gegen das Magazin "Playboy".

20 Jahre nach dem Ende der Diktatur ist der Islam zur alles dominierenden gesellschaftlichen Kraft in Indonesien geworden. Das lange nur de facto existierende Blasphemie-Gesetz wird inflationär angewandt, um Gegner einzuschüchtern und auszuschalten. In den ersten 60 Jahren der Unabhängigkeit wurde auf seiner Basis 25 Mal Anklage erhoben; im letzten Jahrzehnt zehnmal so häufig.

Das prominenteste Opfer: der christliche Gouverneuer von Jakarta

Das prominenteste Opfer war der populäre christliche Gouverneur von Jakarta, Basuki Tjahaja Purnama, genannt Ahok. Auf einer Wahlkampfveranstaltung hatte er gesagt, die Menschen sollten nicht auf diejenigen hören, die sagten, der Koran verbiete es, mit Christen und Juden befreundet zu sein. Radikale Muslime verbreiteten daraufhin, Ahok habe gesagt, die Menschen sollten nicht auf den Koran hören. Sie fanden willfährige Richter, die ihn zu zwei Jahren Gefängnis verurteilten.

Von Beginn an haben die radikalen muslimischen Organisationen auf die Jugend gesetzt. Die neuen Freiheiten ermöglichen es ihnen, tausende junger Männer an die Universitäten und Koranschulen der arabischen Staaten zu entsenden. Die Rückkehrer erfüllen ihre Erwartungen. Sie werfen ihren Müttern vor, schlechte Musliminnen zu sein, wenn sie kein Kopftuch tragen oder sich nicht streng an die Gebets- und Fastenvorschriften halten. Es gibt Gegenden auf Sumatra oder im Osten Javas, wo eine Frau nicht mehr ohne Kopftuch auf die Straße gehen kann, weil sie den Angriffen religiöser Eiferer ausgesetzt ist.

In der autonomen Provinz Aceh herrscht die brutalste Scharia

In der autonomen Provinz Aceh im Norden Sumatras herrscht die Scharia bereits in ihrer brutalsten Form. Nicht-verheiratete Liebespaare oder Menschen, die Alkohol trinken, werden vor hunderten Schaulustigen öffentlich ausgepeitscht. Die Repressionen haben sich zu einem derartigen Spektakel entwickelt, dass selbst islamische Geistliche erwägen, die Strafen wieder nicht-öffentlich auszuführen. An den Universitäten trägt die Agitation der radikal-islamischen Gruppen besonders gute Früchte.

DT

Warum die Regierung des Präsidenten Joko Widodo bisher machtlos gegen den zunehmenden Einfluss eines radikalen Islam in der Gesellschaft ist, erfahren Sie in der aktuellen Ausgabe der „Tagespost“ vom 22. November 2018.

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