Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Jahresbericht 2022

Hassverbrechen gegen Christen nehmen zu in Europa

Um 44 Prozent sind Hassverbrechen gegen Christen 2022 gestiegen. Das geht aus einem Bericht der Wiener Beobachtungsstelle OIDAC hervor.
Bericht zu Christenverfolgung in Europa
Foto: IMAGO/imageBROKER/Walter G. Allgöwer (www.imago-images.de) | Im Jahr 2022 dokumentierte OIDAC Europe 748 antichristliche Hassverbrechen in 30 verschiedenen Ländern, die von Brandanschlägen, Graffiti, Schändungen und Diebstählen bis hin zu körperlichen Angriffen, Beleidigungen ...

Hassverbrechen gegen Christen haben in Europa deutlich zugenommen. Das geht aus dem am Donnerstag vom „Observatory on Intolerance and Discrimination against Christians in Europe” (OIDAC Europe) vorgelegten Bericht für das Jahr 2022 hervor. Demnach gab es für das Jahr 2022 einen Anstieg von 44 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Besonders deutlich sei mit 75 Prozent der Anstieg von Brandstiftungen an Kirchen. Die „Beobachtungsstelle der Intoleranz und Diskriminierung gegen Christen“ mit Sitz in Wien dokumentiert und veröffentlicht europaweite Fälle von Hassverbrechen gegen Christen.

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Im Jahr 2022 dokumentierte OIDAC Europe 748 antichristliche Hassverbrechen in 30 verschiedenen Ländern, die von Brandanschlägen, Graffiti, Schändungen und Diebstählen bis hin zu körperlichen Angriffen, Beleidigungen und Drohungen reichten. Diese Zahlen stimmen mit den Daten des OSZE-Berichts über Hassverbrechen überein, der ebenfalls am 16. November veröffentlicht wurde. Die OSZE stellte 792 antichristliche Hassverbrechen in 34 europäischen Ländern fest, womit Christen nach jüdischen Gläubigen die am meisten angegriffene religiöse Gruppe sind.

Zunahme von Brandanschlägen

Zwei besondere Trends wurden in dem Bericht hervorgehoben: zum einen die Zunahme von Brandanschlägen, die von 60 im Jahr 2021 auf 105 im Jahr 2022 gestiegen sind. Der zweite Trend besteht darin, dass mehr Hassverbrechen von radikalisierten Mitgliedern ideologischer, politischer oder religiöser Gruppen verübt wurden, die ein antichristliches Narrativ verfolgen.

Die Exekutivdirektorin von OIDAC Europe, Anja Hoffmann, erläuterte, dass der Anstieg der antichristlichen Hassverbrechen, insbesondere des Vandalismus, mit einem Anstieg der extremistischen Motivation und einer höheren Akzeptanz des Angriffs auf Kirchen in der Gesellschaft zusammenhängt: „Während in der Vergangenheit die Motive für Vandalismus oder Schändung von Kirchen weitgehend unklar blieben, stellen wir heute fest, dass immer mehr Täter Botschaften hinterlassen, die ein extremistisches Motiv erkennen lassen, oder sogar in sozialen Medien stolz die Urheberschaft für die begangenen Straftaten beanspruchen.“

Weiter betonte Hoffmann, derartige Aufrufe zu Gewalt gegen Christen dürften nicht einfach hingenommen werden. Zudem beobachtet OIDAC Europe ein verändertes Auftreten der Täter. Während sie „früher meist anonym blieben, finden wir jetzt immer häufiger Slogans, Nachrichten oder sogar Postings in den sozialen Medien, in denen sich radikale Gruppen stolz zu den Verbrechen bekennen“.

Christen werden häufiger in Glaubensfreiheit eingeschränkt

Nicht nur Gewalt gegen Christen nimmt laut OIDAC Europe zu. Die Organisation meldet, dass Christen in Europa auch häufiger von Diskriminierung und Einschränkungen ihrer Glaubens- und Meinungsfreiheit betroffen seien. Dies reiche vom Verlust der Arbeitsstelle bis hin zu gerichtlichen Verfahren, etwa unter sogenannten „Hassrede-Gesetzen“.  Nach Darstellung von Anja Hoffmann betreffe dies insbesondere Christen, die traditionelle Lehren ihrer Kirche zu Themen wie Ehe, Familie und Geschlechteridentität öffentlich bekundeten, obwohl diese Aussagen keine Aufrufe zu Gewalt oder Hass enthielten.

OIDAC Europe sieht in der Strafverfolgung von Christen, die christliche Lehrmeinungen in der Öffentlichkeit vertreten, eine „höchst besorgniserregende“ Entwicklung. Weitere Einschränkungen beträfen das Gebet in der Öffentlichkeit, gegen das verschiedentlich „Bannmeilen“, etwa rund um Abtreibungskliniken, verhängt wurden. Zudem seien auch Eltern betroffen, die ihre Kinder im Einklang mit ihren Gewissensüberzeugungen erziehen wollen, sowie medizinisches Personal: Christliche Ärzte etwa, die nicht an Abtreibungen oder Geschlechtsumwandlungen bei Minderjährigen mitwirken wollten, gerieten durch die Eliminierung von Gewissensklauseln in eine vulnerable Position, so OIDAC Europe.

Es bestehe die Gefahr, dass Christen in Zukunft aufgrund solcher Einschränkungen von manchen Berufssparten ausgeschlossen sein könnten. Die Organisation weist in Bezug auf die Wahrung von Gewissens- und Religionsfreiheit für Christen und Gläubige anderer Religionen auf die Verantwortung der Gesetzgebung hin.

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