Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Zahlen für 2025 veröffentlicht

Geburtenrate auf historischem Niedrigstand

Gleichzeitig sank auch die Zahl der Abtreibungen leicht. Das europäische Ausland kämpft ebenfalls mit sinkenden Geburtenraten.
Abtreibungsstatistik für 2025
Foto: IMAGO/Christoph Hardt (www.imago-images.de) | Die Zahl der Abtreibungen hat sich in Deutschland gegenüber 2024 um 0,7 Prozent verringert, liegt aber weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre 2014 bis 2020.

Die Zahl der Geburten in Deutschland ist im Jahr 2025 auf den niedrigsten Stand seit der Nachkriegszeit gesunken. Das teilte das Statistische Bundesamt am Dienstag mit. Mit 654.300 Kindern wurden letztes Jahr 3,4 Prozent weniger Kinder geboren als im Vorjahr. Auch das Geburtendefizit erreicht mit rund 352.000 weniger Geburten als Sterbefällen einen neuen Höchststand. Seit Beginn der 1970er-Jahre liegt Deutschland im Geburtendefizit, das heißt, es sterben mehr Menschen, als geboren werden. In den östlichen Bundesländern sinkt die Geburtenzahl weiterhin stärker als in den westlichen Bundesländern.

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Auch in Frankreich, Österreich, Italien und Schweden gingen die Geburtenzahlen 2025 zurück. Spanien, die Niederlande und Finnland verzeichnen hingegen eine Stabilisierung der Geburtenzahlen. In Frankreich sank die Zahl der Geburten mit 645.000 auf den niedrigsten Stand seit 1942. Zum ersten Mal übersteigt die Zahl der Todesfälle die der Geburten. Präsident Emmanuel Macron hatte bereits vor einiger Zeit eine „demografische Aufrüstung“ ausgerufen. Die französische Regierung plant daher, ab Sommer regelmäßig alle 29-Jährigen per Brief über das Risiko aufzuklären, zu lange mit der Familienplanung zu warten. Gleichzeitig propagiert das Land das Einfrieren der Eizellen und will die Zahl der Kinderwunschzentren weiter erhöhen.

Jede siebte Schwangerschaft endet mit einer Abtreibung

2025 wurden in Deutschland 106.000 Kinder vor ihrer Geburt abgetrieben. Damit endet in Deutschland ungefähr jede siebte Schwangerschaft mit einer Abtreibung. Erstmals wurden 2025 die meisten Abtreibungen mit dem Abtreibungsmedikament Mifegyne durchgeführt (45 Prozent).

Die Zahl der Abtreibungen hat sich gegenüber 2024 um 0,7 Prozent verringert, liegt aber weiterhin deutlich über dem Niveau der Jahre 2014 bis 2020. In den Altersgruppen der 35- bis 44-Jährigen stieg die absolute und prozentuale Zahl von Abtreibungen an. Die Zahl der Abtreibungen bei Frauen unter 24 nahm in absoluten Zahlen ab, was auch auf demografische Faktoren zurückzuführen ist: Die Zahl der Frauen unter 24 sank ebenfalls.

Das Statistische Bundesamt gibt an, es lägen ihm „keine Erkenntnisse über die persönlichen Entscheidungsgründe für einen Schwangerschaftsabbruch nach der Beratungsregelung vor“. Allerdings erfasst das Statistische Bundesamt die Indikation: Danach erfolgen 96 Prozent aller Abtreibungen aufgrund der sogenannten „sozialen Indikation“ nach einer Beratung. Nur vier Prozent der Abtreibungen erfolgen aus medizinischen Gründen oder aufgrund von Sexualdelikten.

Die Gründe für eine Abtreibung

Die Mehrheit der Kinder, die in Deutschland abgetrieben werden, fällt damit persönlichen Umständen der Mutter zum Opfer. Verschiedene Studien, wie etwa die ELSA-Studie von 2024, fanden heraus, dass schwierige Lebensphasen, finanzielle Sorgen und Partnerschaftskonflikte zu den häufigsten Motiven einer Abtreibung gehören. Die Beratungsstatistik der Schwangerschaftsberatung profemina ergab, dass biografische Gründe – etwa eine noch nicht beendete Ausbildung –, ein Gefühl der Überlastung und Probleme in der Partnerschaft die häufigsten Ursachen seien. Immer wieder berichten Mütter in Schwangerschaftskonflikten auch von Druck, der von Partner und/oder Familie ausgeübt werde. DT/fha

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