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Der gefallene Metropolit

Jahrelang gehörte Hilarion zu den bekanntesten Gesichtern der russischen Orthodoxie. Heute ist von seinem einstigen Einfluss nur wenig übrig.
Metropolit Hilarion
Foto: Imago/ITAR-TASS | Einst galt Metropolit Hilarion als Superstar der russischen Orthodoxie.

Lange Jahre war er der Superstar der russischen Orthodoxie: Weit über Russlands Grenzen hinaus galt er als Theologe und Komponist von Format. Als machtbewusster Außenamtschef des Moskauer Patriarchats ging er im Vatikan ein und aus, predigte eine orthodox-katholische Allianz der Werte, wetterte auf Konferenzen gegen den Ökumenischen Patriarchen von Konstantinopel und gegen die moralische Dekadenz des Westens.

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Letztere scheint ihn eingeholt zu haben, denn seit 2022 geht es nur noch bergab. Vor dem Ukrainekrieg war es Metropolit Hilarion, der wortgewaltig die mit Putins Plänen kompatible Politik der russischen Orthodoxie vertrat, doch je lauter sich Patriarch Kyrill an Putins Seite stellte, desto leiser wurde Hilarion. Als er im Juni 2022 als Außenamtschef abgelöst und als Metropolit nach Budapest entsorgt wurde, munkelten orthodoxe Kreise noch, Hilarion sei damit aus der weltpolitischen Schusslinie, könne als Personalreserve für die Patriarchennachfolge und als Verwalter der Auslandsvermögen Kyrills herhalten. Dann warf sein junger Assistent, Georg Suzuki, dem Metropoliten nicht nur ein ausschweifendes Luxus-, sondern auch ein unmoralisches Sexualleben vor.

Fotos und Videos, die belegen sollen, dass Hilarion mit dem kaum volljährigen Mitarbeiter eine sexuelle Beziehung pflegte, machten rasch die Runde. Die Obrigkeit in Moskau zog die Notbremse und versetzte Hilarion ins tschechische Karlsbad (Karlovy Vary), wo sich viele reiche Russen tummeln und offenbar dringend einer standesgemäßen Seelsorge bedürfen.

Doch auch die böhmische Herrlichkeit ist nun zu Ende, weil die tschechische Polizei bei einer Fahrzeugkontrolle auf der Autobahn bei Prag im Fahrzeug des Metropoliten mehrere Beutel Kokain fand. Nach zwei Tagen in Polizeigewahrsam tauchte Hilarion plötzlich in Moskau auf, wo er seinem Patriarchen konzelebrieren durfte. Wie das Kokain in sein Auto kam, dafür haben Hilarion und das russische Außenministerium mehrere Verschwörungstheorien zur Verfügung. Wie es zu seiner Freilassung kam, deutete er an, als er in Moskau (in dieser Reihenfolge) Gott, Patriarch Kyrill, dem russischen Außenminister Sergej Lawrow und dessen Pressesprecherin Maria Sacharowa sowie dem russischen Botschafter in Prag dankte.

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„Aus objektiven Gründen“, so die offizielle Formulierung des Moskauer Patriarchats, werde Hilarion nicht mehr nach Karlsbad zurückkehren. Auch nicht nach Budapest. Und in Moskau soll er offenbar auch nicht bleiben. Also sendet Patriarch Kyrill seinen einstigen Außenminister, Startheologen und potenziellen Erben nun nach Südamerika, in zwei kleine Pfarreien in Brasilien, die zur russisch-orthodoxen Diözese Südamerika zählen. Man darf gespannt sein, was dort alles noch passieren kann.

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