Paris

Explosion der Gewalt in Frankreich: Psychologe fordert strengere Gesetze

Eine vom französischen Innenministerium veröffentlichte Statistik offenbart eine Explosion der Gewalt in Frankreich. Der Kinderpsychologe Maurice Berger fordert im „Figaro“ angesichts des fehlenden Schuldbewusstseins bei den Tätern eine strengere Justiz.
Gewalt in Frankreich
Foto: Alain Jocard (AFP) | Bei einem Protest gegen den Gesetzesentwurf zur "globalen Sicherheit" kommt es im November 2020 zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der französischen Bereitschaftspolizei.

In der französischen Tageszeitung „Le Figaro“ setzt sich der Kinderpsychologe und Psychoanalytiker Maurice Berger mit der in Frankreich explodierenden Gewalt vor allem bei Jugendlichen auseinander. Berger, ehemaliger Lehrbeauftragter an der Universität Lyon, fordert strengere und rasch in die Tat umgesetzte Strafen, die den jugendlichen Tätern helfen sollen, ihr fehlendes Schuldbewusstsein zu entwickeln.

Von Anstieg der Gewalt nicht überrascht

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Der Anstieg der Gewalttaten in Frankreich überrasche ihn nicht, gibt Berger zu Protokoll, der an der École Nationale de la Magistrature lehrt, die für die Aus- und Weiterbildung der französischen Richter und Staatsanwälte zuständig ist. Allerdings gäben die nun vom Innenministerium veröffentlichten Zahlen keinen Aufschluss über das Alter der Täter oder darüber, ob sie minderjährig oder volljährig sind. Vermutlich werden diese Angaben Ende des Jahres noch vermittelt. Da ethnische Statistiken in Frankreich verboten seien, lieferten die Zahlen auch keine Informationen über die Herkunft der Kriminellen: „Doch man weiß beispielsweise“, erläutert Berger, „dass das äußerst demokratische Schweden - das ein Vorbild für die Unterstützung zur Assimilation von Immigranten ist – beschlossen hat, der Realität ins Auge zu sehen, und mehrere Berichte darüber veröffentlicht hat. Schweden steht an erster Stelle der europäischen Staaten im Hinblick auf Tötungsdelikte mit Schusswaffen, wobei diese Morde zuallermeist von in Banden organisierten Personen migrantischer Herkunft begangen werden. Den schwedischen Statistiken zufolge begehen die im Ausland geborenen Personen dreimal häufiger schwere Gewalttaten und fünf Mal mehr Vergewaltigungen“ als die autochthone Bevölkerung.

Was Berger allen Formen der in Frankreich ausgeübten Gewalttaten gemeinsam zu sein scheint, ist das „quasi durchgängige Fehlen eines Schuldbewusstseins“ bei den Tätern: „Kein einziger der minderjährigen Straftäter“, die Berger untersucht hatte, „zeigt Reue in Bezug auf die dem anderen beigefügten Verletzungen, und für manche ist sogar das Töten nicht schlimm. Nur die Höhe der Strafe spiegelt den Schweregrad der von ihnen gerade begangenen Straftaten wider. Das wirft Fragen im Hinblick auf die Verfasstheit des Menschen im Allgemeinen und die Rolle des Gesetzes auf“.

Ausnahmslos Haftstrafen verhängen

Daher plädiert Berger dafür, dass das Gesetz „unbestreitbar und streng“ sein und „schnell“ durchgesetzt werden müsse. „Streng“ bedeute hierbei, ausnahmslos eine Haftstrafe zu verhängen, „und keine elektronische Fessel, die oftmals nicht respektiert wird“ und den Minderjährigen weiterhin in seinem Tätermilieu belasse. „Schnell durchgesetzt“ werden müssten die Strafen, „daher muss es ausreichend Gefängnisplätze geben“. Darüber hinaus müsste laut Berger das Gesetz in Bezug auf das Mitführen etwa von Stichwaffen wie Messern in der Öffentlichkeit wirklich umgesetzt werden: „Es ist offensichtlich, dass jemand, der nach draußen geht und ein Messer bei sich hat, eine bestimmte Vorstellung von seinem Verhältnis zu anderen hat, die nicht ausschließt, diese Waffe bei der geringsten zwischenmenschlichen Spannung auch einzusetzen“. Berger habe noch nie erlebt, dass ein solches Verhalten – das Tragen von Messern in der Öffentlichkeit – bei Minderjährigen noch nicht einmal mit einem Zehntel der Höchststrafe geahndet worden sei.  DT/ks

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