Vor einigen Wochen musste er schon einmal den Feuerwehrmann spielen. Als Kai Wegner Probleme mit seiner Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson wegen einer Fördermittel-Affäre bekam, musste der Finanzsenator aushelfen: Stefan Evers sprang ein und übernahm auch noch diesen Posten. In dieser Woche nun kam der Regierende Bürgermeister selbst in die Bredouille. Kai Wegner konnte den Unmut, der wegen seines unzulänglichen Managements nach dem Anschlag auf das Berliner Stromnetz Anfang des Jahres aufgekommen war, nicht mehr unter dem Tisch halten. Er gab seine Spitzenkandidatur auf. Und auch hier war der 46-jährige Evers der Ersatzmann.
Die Berliner CDU ist seit jeher als Intrigantenstadl bekannt. Vor allem die Amtsdauer der Vorsitzenden in den vergangenen Jahren hatte nur eine sehr geringe Halbwertszeit. Allein deswegen hatte Wegner ursprünglich eine komfortable Position. Einmal war er – sozusagen auf der politisch-handwerklichen Ebene – mit den Eigenheiten eben dieses Intrigantenstadls bestens vertraut. Zum anderen war er es, der die Partei wieder zurück an die Macht gebracht hat. Und einen Regierenden Bürgermeister stürzt man nicht, so war die Parteistimmung, die seit Eberhard Diepgens Zeiten nicht mehr im Roten Rathaus gesessen hatte. In dem Fall stürzte sich der Regierende Bürgermeister selbst. Eine Reihe von Ungeschicklichkeiten, an der Spitze sein Tennisspiel mit Lebensgefährtin, als in Teilen Berlins gerade die Lichter ausgegangen waren. Dabei war Wegner als Law-and-Order-Mann gestartet. Umso größer aber natürlich die Enttäuschung bei seinen Wählern. Statt tatsächlich die innere Sicherheit in der Hauptstadt zur Chefsache zu machen, präsentierte sich Wegner lieber als „Wowereit 2.0“ auf der CSD-Parade.
Stefan Evers sieht sich als „modernen Konservativen“
Auch Stefan Evers setzt nun auf Recht und Ordnung. So will der 46-Jährige auf den letzten Metern Rot-Rot-Grün verhindern, ein Bündnis, das nach den Umfragen immer wahrscheinlicher wird. Zumal Evers im Zweifel auch immer noch einen linken Koalitionspartner benötigen würde. Also mit CDU-Sicherheitspolitik pur dürfte es auch dann schwer werden.
Evers selbst hat sich als „modernen Konservativen“ bezeichnet. Konkret heißt das: fiskal- und innenpolitisch konservativ, gesellschaftspolitisch liberal. Hier ähnelt er Jens Spahn. So wie der Fraktionsvorsitzende im Bundestag lebt auch Evers offen homosexuell, sieht sich aber nicht als LGBTQ-Aktivist. Der 46-Jährige hat katholische Wurzeln, kommt als Paderborner aus einem schwarzen Kernland.
In seinem Studium ist er dem Unitas-Verband beigetreten. Dort ist auch der ehemalige Regierungssprecher Helmut Kohls, Friedhelm Ost, Mitglied, der als Paderborner Bundestagsabgeordneter den jungen Evers gefördert hat. Zum diesjährigen CSD könne er nicht kommen, da er familiäre Termine habe, erklärte Evers. Kai Wegner hätte vermutlich seinen Kalender anders geführt.
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