Ethikrat-Chef kritisiert AfD-Anfrage zu Schwerbehinderten

In einer nun bekannt gewordenen Bundestags-Anfrage will die AfD wissen, wie sich die Zahl der Behinderungen in Deutschland durch Heiraten in der Familie entwickelt hat. Dabei interessiert die Partei auch, ob ein Migrationshintergrund vorliegt. Der Vorsitzende des Ethikrates wirft der AfD vor, Behinderung unterschwellig als gesellschaftliches Übel darzustellen.
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Foto: Harald Oppitz (KNA) | Auch ein möglicher Migrationshintergrund interessiert die Bundestags-Fraktion der AfD in ihrer Anfrage zur Zunahme der Zahl von Behinderungen in Deutschland, insbesondere durch Heirat in der Familie.

Der Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Peter Dabrock, übt deutliche Kritik an einer Anfrage der AfD-Bundestagsfraktion zum Thema Schwerbehinderte in Deutschland. „Es ist erschütternd und völlig inakzeptabel, dass in einer Anfrage im Deutschen Bundestag erkennbar im Subtext vermittelt wird: Die Zunahme von Behinderung ist ein gesellschaftliches Übel“, sagte der Erlanger Theologe am Donnerstag der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) in Berlin.

Die Autoren der Anfrage bewegten sich damit wieder „bewusst an der Grenze rechtsextremistischen Vokabulars. Jeder, der es will oder kann, soll darin Lebenswerturteile erkennen“, fügte Dabrock hinzu. „Allen Menschen, die behindert sind, allen Menschen, die eine Solidarität mit Menschen mit Behinderung haben, und auch allen Menschen, die aufgrund von Alter oder Krankheit Sorge haben, bald selbst behindert zu werden, sollte klar und deutlich sein, aus welchem dunklen Geist solche Anfragen kommen.“ Dass die Anfrage zudem einen „erkennbar abstrusen Zusammenhang zur Migrationsfrage“ aufbaue, „toppt das Ganze im negativen Sinne“, so der Ethikexperte.

In der jetzt bekannt gewordenen und auf den 12. März datierten Anfrage fragen die AfD-Abgeordneten unter anderem: „Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der Behinderten seit 2012 entwickelt, insbesondere die durch Heirat innerhalb der Familie entstandenen?“ In einer weiteren Frage will die Fraktion wissen, wie viele Fälle der durch Heirat in der Familie entstandenen Behinderungen einen Migrationshintergrund haben. Im Vorwort zu der Anfrage heißt es unter anderem: „Behinderungen entstehen unter anderem durch Heiraten innerhalb der Familie.“ Zudem wird behauptet, dass eine britische Studie zu dem Schluss gekommen sei, dass „60 Prozent der Todesfälle und Erkrankungen betroffener Kinder hätten vermieden werden können, 'wenn die Inzucht beendet würde'“.

Wissen will die AfD-Fraktion auch, wie viele der in der Bundesrepublik lebenden Schwerbehinderten keine deutsche Staatsbürgerschaft besitzen.

DT/KNA

 

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