Erzbischof Schick: „Fluchtursachenbekämpfung ist Wortungetüm“

Die Länder Afrikas müssen ihre Probleme selbst lösen, meint der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick. Die Industrieländer könnten nur unterstützend unter die Arme greifen.
Fluchtbekämpfung
Foto: Anna Mayumi Kerber (dpa) | Die reichen Industrienationen könnten die Afrikaner unter der Maßgabe „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützen, meint der Bamberger Erzbischof Schick.

Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick verwendet nicht gerne das Wort „Fluchtursachenbekämpfung“. Dies sei ein „Wortungetüm“ und habe inzwischen bei vielen Experten einen negativen Klang. Im Gespräch mit der „Tagespost“ erklärt Erzbischof Schick, was Flucht vom Wort her eigentlich bedeutet: „Unfreiwillig die Heimat oder den derzeitigen Wohnort verlassen zu müssen, weil man dort nicht leben kann, weil keine ausreichenden Nahrungsmittel vorhanden sind, Krieg herrscht, Menschenrechtsverletzungen an der Tagesordnung sind, es keine Zukunftsperspektiven gibt“. Wo solche Verhältnisse herrschen, so Schick, müssen sie geändert werden. Dies bedeute, dass die Ursachen für Flucht beseitigt werden müssen.

Afrikaner müssen Fluchtursachen selbst beseitigen

Die Fluchtursachen in Afrika zu beseitigen, sei Aufgabe der Afrikaner selbst, erklärt Schick, der den Vorsitz der Kommission Weltkirche innehat. Die reichen Industrienationen könnten sie dabei allerdings unter der Maßgabe „Hilfe zur Selbsthilfe“ unterstützen. „Diese Hilfe muss partnerschaftlich sein und nicht paternalistisch“, so Schick.

Der Bamberger Erzbischof geht zudem auf den Erfolg der kirchlichen Entwicklungszusammenarbeit in den letzten Jahrzehnten ein. Diese habe entscheidend dazu beigetragen, dass sich das Bildungsniveau in etlichen Ländern Afrikas gut entwickelt und sich die Versorgung der Kranken in Krankenhäusern und in den Familien verbessert habe. Jedoch sei das Erreichte an manchen Orten wieder zerstört worden, etwa durch Stammeskriege und durch islamistischen Terror.

DT/mlu
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