Gastkommentar

Drohende Eskalation im Iran

Die Lage wird schlimmer, bevor sie wieder besser werden kann
Demonstration gegen Irans Regierung - Istanbul
Foto: Onur Dogman (SOPA Images via ZUMA Press Wire) | Die Menschen im Iran kämpfen nicht nur um Freiheit, sondern ums nackte Überleben. Die Machthaber werden lieber das ganzen Land mit in den Abgrund reißen als sich den Forderungen der Straße zu beugen, sagt ...

Die unzähligen Menschen, die seit Wochen im Iran gegen das Regime demonstrieren, zahlen bereits jetzt einen hohen Preis für ihren Mut. Es gab hunderte Tote, viele Verletzte und tausende Verhaftungen. Doch trotz der Gefahr für Leib und Leben gehen die Menschen immer wieder auf die Straße. Massenproteste gab es im Iran auch früher schon. Die wurden aber zumeist von einzelnen sozialen Gruppen getragen. Das besondere an der aktuellen Welle ist, dass sie sich aus allen Bevölkerungsschichten speist.

Es geht nicht nur ums Kopftuch

Dabei geht es längst nicht mehr nur ums Kopftuch. Mit einer Lockerung der Bekleidungsvorschriften werden sich die Menschen nicht zufriedengeben – sie wollen ein anderes System. Doch das jetzige System hat seit der islamischen Revolution 1979 tiefe Wurzeln geschlagen. Es hat nicht nur Verlierer, sondern auch zahlreiche Gewinner produziert. Die mächtigen Revolutionsgarden kontrollieren weite Teile der Wirtschaft.

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Wenn die Systemfrage im Raum steht, könnten sie ihre Pfründe verlieren, von Macht und Einfluss ganz zu schweigen. Und dagegen wehren sie sich mit aller Gewalt.  So beängstigend diese Diagnose klingt: Die Lage im Iran wird noch deutlich schlimmer, bevor sie wieder besser werden kann.

Gewalt gegen Gewalt

Der bemerkenswerte Mut der Protestierenden bringt ein Regime in Bedrängnis, das nicht anders als mit noch heftigerer Gewalt reagieren kann. Es kämpft buchstäblich ums Überleben. Die Machthaber werden lieber das ganzen Land mit in den Abgrund reißen als sich den Forderungen der Straße zu beugen.

Der Westen kann dabei kaum mehr tun, als es wenigstens nicht noch schlimmer zu machen. Das heißt: Keine Machtspiele im eigenen Interesse, keine Deals mit dem Regime. Stattdessen Geduld und Solidarität mit den Menschen, die alles riskieren für eine Zukunft in Freiheit.


Der Autor ist Nahostexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker.

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Kamal Sido

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