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Donalds langer Finger

Warum das gar nicht so abwegig ist, dass Trumps Leute den Papst-Kandidaten Pietro Parolin abschießen wollten. Und wie sich das rächen könnte.
Religion: Cardinal Pietro Parolin  celebrate the Holy Mass of the Movement for Life on March 08, 2025
Foto: IMAGO/IPA Sport/ABACA (www.imago-images.de) | Fake News: Die Trump-treue Organisation „Catholic Vote“ meldete am Donnerstag, Kardinal Pietro Parolin sei bei einer Generalkongregation in Ohnmacht gefallen.

Mit quietschenden Reifen wird der Vatikan mit den Vorbereitungen für das Konklave fertig: Am Dienstagabend und Mittwochmorgen vor der Messe „pro eligendo Romano Pontefice“ können die Papstwähler ihre Zimmer in Santa Marta und dem ehemaligen Gästehaus Alt-Santa Marta beziehen.

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Der Neubau ist zu klein für 133 Kardinäle, die inzwischen versiegelte Etage für Franziskus und seine Neben-Kurie nimmt zu viel Platz weg. Karol Wojtyla hat 1978 als Kardinal gleich zwei Mal in der alten Residenz Santa Marta logieren müssen, als Papst ließ er dann das neue Gästehaus bauen – den alten Kasten neben der Synodenaula wollte er den Wahlmännern bei einem kommenden Konklave nicht mehr zumuten. Doch nun wurde er nochmals hergerichtet. Streng abgeschirmt von jedem Kontakt nach außen werden sich die wahlberechtigten Kardinäle ab Mittwoch von Alt- und Neu-Santa Marta in die Sixtinische Kapelle aufmachen müssen.

Redebedarf der Kardinäle und Druck von außen

Offenbar ist alles vorbereitet. Auch der Schornstein auf dem Dach der Sixtina steht. Und die Kardinäle? Die offenbar noch nicht. Für den morgigen Montag sind anders als bisher zwei Generalkongregationen angesetzt, eine am Vormittag und eine am Nachmittag. Der Klärungsbedarf ist groß, die Rednerliste lang. Ginge es nach den italienischen Medien, würde Kardinal Pietro Parolin kommende Woche in Weiß auf der Loggia des Petersdoms erscheinen. „Petrus Romanus“ nennen ihn manche. Zwar ist er kein Römer, sondern Norditaliener, aber Parolin ist mit Rom schon so lange verwachsen, dass der Beiname „Petrus Romanus“ zu ihm steht – in Anlehnung an den letzten Papst in den Prophezeiungen des Malachias, nach denen in der Zeit von Petrus, dem Römer, die Stadt der sieben Hügel untergeht und das Jüngste Gericht anbricht.

Vor diesem Jüngsten Gericht von Michelangelo müssen die Kardinäle nun wählen. Aber sie lesen auch Zeitungen und erfahren, wie groß der äußere Druck auf das Konklave ist. Auf dem präpotenten KI-Foto als Papst hat das Weiße Haus Donald Trump mit einem langen Zeigefinger darstellen lassen – so als wollte der Präsident warnen. Jedenfalls: Trump mischt sich ein. Am Donnerstag meldete die konservative Organisation „Catholic Vote“ auf ihrer Homepage, Kardinal Parolin sei bei den Generalkongregationen in Ohnmacht gefallen und eine Stunde lang von dem herbeigerufenen medizinischen Personal behandelt worden. Konservative Medien in Italien beteten die Meldung gleich nach. „Catholic Vote“ ist ein strengkatholischer Thinktank, der im Wahlkampf möglichst viele Stimmen unter den gläubigen Schäfchen auf die Weide Donald Trumps führen wollte. Am Freitag dementierte Vatikansprecher Matteo Bruni, die Geschichte von der Ohnmacht Parolins sei erstunken und erlogen, nichts daran sei wahr.

Süße Ironie der Geschichte

Für Leute vom Schlage Burchs liegt Parolin noch immer zu sehr auf Bergoglio-Linie, obwohl der langjährige Lenker des Kurien-Apparats und stets elegant-zurückhaltende Chef der vatikanischen Diplomatie sicherlich einen anderen Stil an den Tag legen würde als sein Vorgänger. Ironie der Geschichte wäre es, wenn Parolin nun doch Papst würde. Gründer und Präsident von „Catholic Vote“ ist der nicht minder strengkatholische Franziskus-Kritiker Brian Burch, für den die Linie des verstorbenen Papstes mit seiner Klima- und Migranten-Politik „nur Verwirrung“ in der Kirche gestiftet habe. Leuten wie ihm und Trump wäre da ein Kardinal wie der New Yorker Erzbischof Timothy Dolan schon wesentlich lieber. Nur ist jener Brian Burch genau der, den Präsident Trump als Botschafter der Vereinigten Staaten beim Heiligen Stuhl nach Rom schicken wird. Manche malen sich schon aus, wie das sein könnte, wenn Botschafter Burch einem Papst Parolin sein Akkreditierungsschreiben überreicht.

 

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