Kommentar um "5 vor 12"

Die „Pandemie der Ungeimpften“

Warum die Politik versagt und wir ein Ende der Illusionen benötigen.
Coronavirus - 2G Regelung
Foto: Julian Stratenschulte (dpa) | Der Schriftzug „2G Regelung“ steht am Theater am Aegi. Während der Corona-Pandemie dürfen derzeit nur Geimpfte und Genese das Theater betreten.

Die Impfquote steigt und mit ihr die Zahl der Impfdurchbrüche. Das spricht nicht gegen die Impfung, wohl aber dafür, die vierte Welle keineswegs den Impfskeptikern in die Schuhe zu schieben und sie zu einer „Pandemie der Ungeimpften“ zu erklären. Und ja, es stimmt: Wer sich weigert, sich impfen zu lassen, der besitzt ein höheres Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken, hospitalisiert zu werden oder gar an COVID-19 zu versterben. Je älter und je vorerkrankter, desto mehr. Er oder sie belasten dann auch das Gesundheitssystem. Nur – auch das ist ein Faktum – eine Impfung vermag diese Risiken zu reduzieren, aus der Welt schaffen, kann sie sie nicht. Das belegt Woche um Woche erneut die steigende Zahl der dem RKI gemeldeten Impfdurchbrüche.

Impfdurchbrüche sind ein hochrelevantes Faktum

Bedenkt man ferner, dass ein Impfdurchbruch nur dann entdeckt wird, wenn der Betreffende Symptome verspürt, zum Arzt geht und positiv auf das SARS-CoV-2-Risiko getestet wird, dann weiß man auch, dass die Zahl der nicht entdeckten Impfdurchbrüche ein Vielfaches der Fälle betragen muss, die statistisch erfasst werden. Bei einer Infektionskrankheit, die sich ohnehin in rund 80 Prozent der Fälle asymptomatisch verbreitet, ist dieses Faktum keineswegs ein vernachlässigbares, sondern – ganz im Gegenteil – eines, das hoch relevant ist. Der Rest ist – um mit Robert Habeck zu sprechen – Mathematik.

Das Versagen der Politik

Die vierte Welle ließe sich also genauso gut zu einer Pandemie der sich in falscher Sicherheit wähnenden Geimpften erklären. Natürlich wäre auch das unfair und ungerecht. Denn die Regierenden in Bund und Ländern haben völlig überzogene Erwartungen an das geweckt, was die bisher erhältlichen Impfstoffe leisten können. Und statt dies endlich einmal zu korrigieren, schüren sie diese weiter. Mehr noch: Einige erhöhen gar den Druck und denken nun öffentlich und laut über eine Impfpflicht für bestimmte Berufsgruppen nach. Doch mehr vom Unzureichenden, hilft nicht mehr, sondern bleibt unzureichend. Wenn man also die vierte Welle schon „labeln“ und etikettieren will, dann als „Pandemie des politischen Versagens“. Denn das ist sie.

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Es ist gut, dass die Zahl der Politiker und Wissenschaftler, die nun eine Rückkehr zu den kostenlosen Bürgertests fordern, täglich wächst. Denn letztlich geht es nicht darum, einen Schuldigen für die vierte Welle zu finden, sondern die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Und das funktioniert nach Lage der Dinge zuverlässig nur durch Testen und Quarantäne, Abstand halten und Maske tragen. Für Geimpfte wie Ungeimpfte gleichermaßen. Das muss niemandem zu gefallen. Ist aber so. Alles andere sind Illusionen.

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Stefan Rehder

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