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Die gefährliche Sehnsucht nach dem Philosophenkönig

Robert Habeck bekommt den Ludwig-Börne-Preis. Damit geht die Jury der geschickten Selbstinszenierung des Ministers auf den Leim.
Robert Habeck hat für sich das Rollenmodell des „nachdenklichen Politikers“ geschaffen
Foto: IMAGO/Peter Henrich (HEN-FOTO) (www.imago-images.de) | Habeck hat für sich das Rollenmodell des „nachdenklichen Politikers“ geschaffen. Er wirkt wie einer, dem der Bürger dabei zuschauen kann, wie er seine Gedanken beim Sprechen verfertigt.

Rudolf Augstein hat ihn gekriegt, ebenso Joachim Fest und Frank Schirrmacher: Der Ludwig-Börne-Preis ist unter den Auszeichnungen, die deutsche Publizisten erhalten können, fast so etwas wie ein kleiner Nobelpreis. Viel mehr geht eigentlich nicht. Umso erstaunlicher, dass in diesem Jahr ein Politiker mit dem Preis bedacht wird: Robert Habeck.

Gewiss, der Bundeswirtschaftsminister sticht aus dem Reigen seiner Kollegen heraus. Das ist ganz deutlich, auch für diejenigen, die weder seine Thesen unterstützen, noch seiner Politik anhängen. Habeck, der in der Zeit vor der Politik als Autor von Kinderbüchern Erfolge feierte, ist jemand, der mit Sprache umzugehen weiß und mit großem Geschick dieses Talent einbringt, um seine Politik gut zu verkaufen.

Das Rollenmodell des „nachdenklichen Politikers“

Habeck hat für sich das Rollenmodell des „nachdenklichen Politikers“ geschaffen. Er wirkt wie einer, dem der Bürger dabei zuschauen kann, wie er seine Gedanken beim Sprechen verfertigt. Nur – und das ist der entscheidende Punkt – hinter diesem Ansatz steht, spätestens seit er Minister ist, kein publizistischer Ansatz, sondern ein politisches Programm. Nun ist es durchaus legitim, dass ein Politiker sich solcher Strategien bedient, um für seine Ziele in der Gesellschaft Mehrheiten zu organisieren. Nur die Aufgabe der journalistischen und publizistischen Zunft liegt darin, solche Methoden aufzudecken und kritisch zu kommentieren, nicht darin, ihm dafür Lorbeerkränze zu winden. 

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FAZ-Herausgeber Jürgen Kaube, der als Einzeljuror den Preis an Habeck vergeben hat, schreibt in seiner Begründung, Habeck gelinge es, in einer Zeit, in der die öffentliche Debatte durch starre Narrative geprägt sei, neue Freiräume zu schaffen, indem er auf Argumentation und „Nachdenklichkeit“ setze. Aber ist nicht auch die Vorstellung von einer solchen neuen Nachdenklichkeit, die die öffentliche Diskussion beleben müsse, genau so ein Narrativ? Und Habeck sein höchster Repräsentant?

Eher ein Preis für Schauspielkunst angebracht

Was die Beliebtheitswerte des Ministers angeht, so kann man zumindest feststellen, dass es in der Bevölkerung ganz offenbar eine Sehnsucht nach einem Politiker gibt, der so spricht wie Habeck. Die Inszenierung von philosophischer Tiefe durch den Minister entspricht dem Bedürfnis der Menschen nach Orientierung. So wie Habeck Nachdenklichkeit darstellt, so stellen sich die Menschen ganz offenbar einen Philosophenkönig vor. Allerdings wäre dann vielleicht eher ein Preis für Schauspielkunst angebracht als einer für Publizistik.

Wahrscheinlich kommt aber auch der Börne-Preis zu spät. Denn es zeichnet sich ab, dass die Charisma-Welle, auf der der Grüne schon so lange surfen konnte, langsam abebbt. In der Rangliste der beliebtesten Politiker ist er auf Platz zwei abgerutscht. Nummer eins ist jetzt Verteidigungsminister Boris Pistorius. Ein vollkommen anderer Politiker-Typ. In Zeiten der Krise ist ein „Philosophenkönig“ als Minister vielleicht doch eher Luxus. Jetzt gieren die Menschen nach Machern. Trotzdem: Der ganze Fall kann tatsächlich zum Nachdenken über unsere politische Kultur anregen. Er wäre auch ein gutes Thema für einen Essay – aber bitte nicht von Robert Habeck geschrieben.

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