Vizekanzler in der Kritik

Habeck kämpft gegen heftigen Gegenwind

Vizekanzler Robert Habeck
Foto: Soeren Stache (dpa) | Seitdem Robert Habeck, der morgen 53 Jahre alt wird, zusammen mit Bundeskanzler Scholz maskenlos aus Kanada zurückgekehrt ist, peitscht es aus allen politischen und medialen Himmelsrichtungen auf ihn nieder.

Lange Zeit war die Aufgabenverteilung in der Regierungs-Koalition völlig klar: Kanzler Olaf Scholz (SPD) gab den steifen Wahlhanseaten, Finanzminister Christian Lindner (FDP) den hedonistischen Hochzeitsentertainer – Wirtschafts- und Klimaschutzminister Robert Habeck (Grüne) hingegen trat als der intelligente Rockstar der Regierung auf: mal sanft, mal rau, aber stets mit Leidenschaft und Intellekt ausgestattet. Ökologisch, alternativ und gut.

Schönrednerei und handwerkliche Fehler

Kein Wunder, dass Habeck die Nation nach Putins Überfall auf die Ukraine zu Füßen lag. War der promovierte Germanist und Kinderbuch-Autor nicht auch schon im Jahr 2021 in der Ukraine gewesen und hatte die drohenden Gefahren hellsichtig erkannt, während sich das sonstige Polit-Personal (inklusive der grünen Spitzenkandidatin Annalena Baerbock) durch die deutsche Wahlebene quälte? Wirkte Habeck mit seinem 68er-Charisma und seiner Menschenfreundlichkeit nicht sowieso wie der bessere Kanzler? Sogar Habecks „Bückling“ in Katar, wo der Wettlauf um die Energie-Reserven begann, wurde ihm kaum übel genommen. Ein Grüner, der Pragmatismus kann – irgendwie auch sexy.

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Seitdem Robert Habeck, der morgen 53 Jahre alt wird, zusammen mit Bundeskanzler Scholz maskenlos aus Kanada zurückgekehrt ist, scheint sich alles geändert zu haben: während Scholz sich nun als europäischer Visionär versucht, peitscht es aus allen politischen und medialen Himmelsrichtungen auf Habeck nieder. Wobei die umstrittene Gasumlage das Hauptangriffsziel ist, doch auch Habecks Umgang mit Kohlekraftwerken und Atomenergie stößt auf Missbilligung. Von Schönrednerei und handwerklichen Fehlern bei der Bewältigung der Energiekrise ist inzwischen die Rede. Oppositionsführer Friedrich Merz (CDU) schlägt sogar vor, die Energiepolitik ins Bundeskanzleramt zu transferieren. Was – um beim Bild des Rockstars zu bleiben – quasi bedeuten würde, Habeck Gitarre und Mikrofon wegzunehmen.

Es geht nicht nur um Sachfragen

Dass es bei einer solchen Flut von Attacken und Sticheleien nicht nur um Sachfragen geht, liegt auf der Hand. Neid und Eifersucht treten auch in der Politik auf. Was aber nicht alles erklärt. Vermutlich hat der „n-tv“-Kommentator Wolfram Weimer Recht, wenn er hinter dem „Habeck-Entzauberungs-Furor“ als wichtiges Motiv das „Machtgefüge zwischen Rot und Grün in Deutschland“ ausmacht.  „Die SPD hat sich offensichtlich entschieden, Habeck frontal zu attackieren und strategisch zu schwächen. Die härtesten Angriffe kommen aus der Sozialdemokratie, weil man Habeck dort als eine Bedrohung für die eigene Volksparteienexistenz betrachtet.“

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