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Der Mensch darf nicht Gott spielen

Aggressive Störattacken gegen den Wiener „Marsch fürs Leben“, der sich am Samstag gegen Abtreibung und Euthanasie wandte.
Marsch für das Leben in Wien
Foto: Eduard Pröls | Angesichts der unmittelbar bevorstehenden gesetzlichen Neuregelung des bisher in Österreich verbotenen „assistierten Suizids“ stand der „Marsch fürs Leben“ auch im Zeichen der drohenden Legalisierung der Euthanasie.

Begleitet von massiven Störaktionen und geschützt von Hundertschaften der Polizei demonstrierten am Samstagnachmittag mehr als 2.500 Menschen in Wien für das Lebensrecht der ungeborenen Kinder und der Schwächsten in der Gesellschaft. Auffallend viele Jugendliche und Familien mit Kindern versammelten sich zum diesjährigen „Marsch fürs Leben“ auf dem Stephansplatz, im Schatten der Wiener Kathedrale, die zugleich das bedeutendste Wahrzeichen Österreichs ist.

Viele Frauen werden zur Abtreibung gedrängt

„Es gibt in Gottes Augen kein unwertes oder verachtenswertes Leben“, hieß es in einer Grußbotschaft des griechisch-orthodoxen Metropoliten Arsenios, die von einem orthodoxen Erzpriester verlesen wurde. „Das Leben steht im Mittelpunkt des christlichen Glaubens.“ Ungeborene Kinder und alte Menschen seien auf die gesamte Gesellschaft angewiesen. Das Leben sei immer ein Geschenk Gottes und darum unantastbar, so der Vorsitzende der orthodoxen Bischofskonferenz, die rund 600.000 Gläubige in Österreich repräsentiert.

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Zuvor hatte der katholische Weihbischof Franz Scharl in seiner Predigt in der Wiener Peterskirche den Lebensschützern für ihren Einsatz gedankt und an die vielen Frauen erinnert, die von Ehemännern und Freunden zu einer Abtreibung gedrängt würden. Das ungeborene Leben sei zugleich das ungeschützteste Leben, ausgesetzt der Willkür und auch der Not anderer. Weihbischof Scharl forderte die Gläubigen auf, für die Bischöfe zu beten, „dass sie Mut und Unterscheidungsgabe zeigen“.

Im Zeichen der drohenden Legalisierung der Euthanasie

Angesichts der unmittelbar bevorstehenden gesetzlichen Neuregelung des bisher in Österreich verbotenen „assistierten Suizids“ stand der „Marsch fürs Leben“ auch im Zeichen der drohenden Legalisierung der Euthanasie. Bischof Scharl sagte, er hoffe, „dass unsere Kultur nicht erst kollabieren muss, um wieder von vorne zu beginnen“. Der freikirchliche Pastor Raimund Harta meinte in einer kurzen Rede auf dem Stephansplatz: „Wir sind hier, weil wir nicht wollen, dass Menschen Gott spielen.“ Der Mensch dürfe nicht entscheiden, welches Leben lebenswert ist – weder am Anfang noch am Ende. Alte und Behinderte dürften nicht den Eindruck vermittelt bekommen, eine Last zu sein.

„Wir wollen keine Kultur des Todes“, rief Theresa von Habsburg vom Verein „Marsch fürs Leben“ am Ende der von Störern mehrfach attackierten Demonstration. Unter dem Applaus der Teilnehmer wandte sie sich gegen die Legalisierung der Euthanasie. Christen wüssten, dass die Todesstunde die wichtigste Stunde des Lebens sei. Über diesen Moment dürfe der Mensch nicht selbst entscheiden.  DT/sba

Lesen Sie eine ausführliche Reportage über den Wiener „Marsch fürs Leben“ in der kommenden Ausgabe der Tagespost.

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