Der US-Bundesstaat Massachusetts hat die bisherige 24-Wochen-Grenze für Abtreibungen aufgehoben. Nach dem „Prioritizing Patient Access to Care Act“, den Gouverneurin Maura Healey am Montag unterzeichnet hat, dürfen Abtreibungen ohne Frist vorgenommen werden. Das Gesetz tritt 90 Tage nach der Unterzeichnung, am 8. November, in Kraft.
Bislang waren Abtreibungen nach der 24. Schwangerschaftswoche nur zulässig, wenn sie zum Schutz des Lebens oder der körperlichen beziehungsweise psychischen Gesundheit der Mutter erforderlich waren oder beim ungeborenen Kind eine tödliche beziehungsweise besonders schwere Diagnose vorlag. Diese gesetzlich festgelegten Voraussetzungen entfallen. Künftig kann ein Arzt aufgrund seines „professionellen Urteils“ über eine vorgeburtliche Kindstötung ohne zeitliche Obergrenze entscheiden.
Healey begründete die Neuregelung mit medizinischen Komplikationen in späten Schwangerschaftsphasen. Entscheidungen über die medizinische Versorgung sollten „zwischen Frauen und Familien sowie ihren Ärzten getroffen werden, nicht von Politikern“, erklärte sie. Abtreibungen würden in Massachusetts „sicher, legal und zugänglich“ bleiben.
Trauriger Tag für Massachusetts
Anlass für die Gesetzesänderung soll laut „Boston Globe“ der Fall Kate Dineen gewesen sein. Sie erfuhr 2022 in der 33. Schwangerschaftswoche, dass ihr ungeborener Sohn einen schweren Schlaganfall erlitten hatte. Die Diagnose fiel nicht eindeutig unter die damaligen Ausnahmeregelungen, weshalb sie für die Abtreibung nach Maryland reiste.
Befürworter des Gesetzes begründen es mit solchen extremen medizinischen Fällen, der verabschiedete Gesetzestext beschränkt die neue Regelung jedoch nicht auf solche Fälle.
Lebensschutzorganisationen sprechen von einer faktischen Freigabe der Abtreibung bis zur Geburt. Myrna Maloney Flynn, Präsidentin von „Massachusetts Citizens for Life“, kritisierte, künftig könne ein einzelner Arzt über die Abtreibung auch eines bereits lebensfähigen ungeborenen Kindes entscheiden. Die republikanische Abgeordnete Alyson Sullivan-Almeida bezeichnete die Neuregelung als „sehr traurigen Tag“ für Massachusetts.
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