Wien

Der Balkan als geopolitische Bühne

Wie Russen, Türken und Chinesen die Demokratie in Südosteuropa untergraben, schildert der aus dem Kosovo stammende Politikwissenschaftler Faruk Ajeti im „Tagespost“-Interview.
Faruk Ajeti
Foto: Stephan Baier | Faruk Ajeti ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Österreichischen Institut für Internationale Politik in Wien.

30 Jahre nach dem Beginn der Kriege im ehemaligen Jugoslawien ist der Balkan heute „eine geopolitische Bühne“ auf der Russen, Chinesen, Türken, Araber und die EU um Einfluss ringen, sagt der Politikwissenschaftler Faruk Ajeti im „Tagespost“-Interview. „Die regionalen Entwicklungen auf dem Balkan waren nie nur regional, sondern von geostrategischer und geopolitischer Bedeutung.“

Der Schwerpunkt der Weltpolitik verlagert sich

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Die USA und die EU hätten zunächst die Demokratisierung und Stabilisierung der Region vorangetrieben, doch seit einigen Jahren verlagere sich der Schwerpunkt der Weltpolitik vom euro-atlantischen in den pazifischen Raum. Das habe ein politisches Vakuum auf dem Westbalkan hinterlassen, so Ajeti, der aus dem Kosovo stammt und heute am „Österreichischen Institut für Internationale Politik“ (OIIP) in Wien tätig ist. „Die Nationen, die noch nicht der EU angehören, sollten nicht das Gefühl bekommen, Europäer zweiter Klasse zu sein. Wer die demokratischen Standards erfüllt, soll seinen Platz erhalten.“

Deutliche Kritik äußert der Balkan-Experte an der Entwicklung in Serbien: „Statt Vergangenheitsbewältigung überwiegt nationale Rhetorik.“ Präsident Aleksandar Vucić untergrabe die Demokratie in Serbien und mache das Land zur Drehscheibe der Ausbreitung von Autoritarismus. Auch gewähre Vucić Russland und China zu viel Einfluss. Putin, Erdogan und Xi Jinping wollten ihre Macht ausweiten und die Balkanpolitik mitbestimmen. 

Im „Tagespost“-Interview schildert Ajeti den Einfluss der Türkei und der arabischen Golfstaaten auf die Balkan-Muslime, aber auch die Strategie Chinas, über den Balkan Einfluss auf ganz Europa zu gewinnen. „Die EU-Politiker waren so naiv zu meinen, es handle sich nur um Geschäfte. Aber es gibt dahinter eine Strategie.“ Ajeti ist überzeugt: „Im Gegensatz zu den Russen waren die Chinesen in ihrem Vormarsch lautlos. Die Kommunistische Partei Chinas ist eine Gefahr für die Demokratie und liberale Gesellschaften.“  DT/sba

Lesen Sie das ganze Interview mit dem Balkan-Experten Faruk Ajeti in der kommenden Ausgabe der „Tagespost“.

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