Logo Johann Wilhelm Naumann Stiftung Frankfurt/Havanna

Coronakrise in Kuba: Journalisten sollen eingeschüchtert werden

Wer auf Missstände im politischen System Kubas hinweist und sich für Menschenrechte einsetzt, muss mit der Verhaftung rechnen. Jüngst forderten hunderte Kubaner mit einem Hungerstreik ein Ende der staatlichen Unterdrückung.
In Kuba fand eine der größten Verhaftungswellen seit langem statt
Foto: Ramon Espinosa (AP) | "Das Regime ist in Aufregung, weil vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Missstände im Gesundheitswesen unübersehbar sind", meint Lessenthin.

Drei Tage befanden sich hunderte Kubaner im Hungerstreik, um Freiheit für alle politischen Gefangenen und das Ende aller staatlicher Repressionen zu fordern. Zugleich fand in Kuba eine der größten Verhaftungswellen seit langem statt. „Das Regime ist in Aufregung, weil vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie die Missstände im Gesundheitswesen unübersehbar sind und diese in der Öffentlichkeit kritisiert werden“, betont Martin Lessenthin, Vorstandssprecher der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM), im Gespräch mit der „Tagespost“. Es gehe darum, Journalisten und Blogger einzuschüchtern und zum Schweigen zu bringen.

Journalisten besonders von Verhaftungswelle betroffen

Lesen Sie auch:

Die Repressionen richteten sich vor allem gegen den Dissidenten José Daniel Ferrer, in Kubas Demokratiebewegung die wichtigste Persönlichkeit. „Er musste wegen seiner konsequenten Regimekritik viel erleiden. Das gilt auch für seine Familie, die in Sippenhaft genommen wird“, sagte Lessenthin.  Als Präsident der größten kubanischen Oppositionsbewegung UNPACU solle vor allem er zum Schweigen gebracht werden. Die Logik des Regimes sei es, „wenn Ferrer schweigt, schweigt UNPACU, schweigt die Demokratiebewegung Kubas.“

Von der aktuellen Verhaftungswelle sind besonders Journalisten betroffen. Haftgründe sind vor allem Forderungen nach Menschenrechten sowie Berichte über Unzulänglichkeiten in der Lebensmittelversorgung. Bis heute werden in Kuba Lebensmittel rationiert und über Lebensmittelkarten vergeben.  „Aktuell von großer Bedeutung ist die Forderung nach Transparenz“, erläuterte der IGFM-Vorstandssprecher: „Die Menschen wollen wissen, warum auf Kuba in den Krankenstationen die Hygienestandards nicht eingehalten werden und überall Ärzte, Medikamente und Desinfektionsmittel fehlen, Kuba aber andererseits Ärzteteams nach Europa und Afrika entsendet, um dort bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie mitzuwirken.“ Die Ärzte im Auslandseinsatz würden vermisst und bedauert. „Bedauert, weil sie zum Teil gegen ihren Willen außer Landes arbeiten müssen und dort trotz ihres gefährlichen Einsatzes bei Weitem nicht so bezahlt werden, wie dies für die ausländischen Ärzte völlig normal ist.“

DT/chp

Wie die Coronakrise Proteste gegen Menschenrechtsverletzungen in Kuba antreibt - lesen Sie das komplette Interview in der kommenden Ausgabe der Tagespost. Holen Sie sich das ePaper dieser Ausgabe kostenlos

Themen & Autoren
Redaktion Demokratiebewegungen Menschenrechte

Weitere Artikel

Wasser wird zu Wein, Kranke werden geheilt und Tote werden lebendig – die Bibel erzählt von vielen Wundern. Aber wirkt Gott heute noch genauso?
05.08.2026, 14 Uhr
Anna Weber
Die Festnahme des Pastors Gao Yingjia steht stellvertretend für eine neue Repressionswelle gegen Chinas protestantische Hauskirchen – vor allem dort, wo Glaube digitale Räume nutzt.
23.12.2025, 14 Uhr
José García

Kirche

Künstliche Intelligenz kann Daten verarbeiten, aber keine Verantwortung übernehmen. Papst Leo XIV. verteidigte in „Magnifica Humanitas“ die menschliche Urteilskraft.
01.11.2026, 09 Uhr
Christoph Fehring
Es gibt ab Samstag neue US-amerikanische Selige: Fünf Franziskaner, die 1957 von Ureinwohnern in Georgia ermordet wurden. Der Grund: Sie verteidigten die monogame Ehe.
31.10.2026, 05 Uhr
Claudia Kock
Halloween wurde zum Filmthema – und machte den Grusel-Tag hierzulande populär. Ein Horrorfilm spiegelt gesellschaftliche Verhältnisse und hinterfragt Selbstverständliches.
31.10.2026, 11 Uhr
Fabian Bell
Ist es falsch, dass die Kirche sich gegen die Todesstrafe stellt? Nein, denn jeder Mensch hat eine unantastbare Würde. Und zwar nicht erst seit Papst Franziskus.
29.10.2026, 21 Uhr
Maximilian Welticke