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Corona: Iran entlässt 85.000 Gefangene

Christen, die wegen der Ausübung ihres Glaubens inhaftiert sind, sollen nicht unter den 85.000 Häftlingen sein, die das islamische Regime zur Bekämpfung der Corona-Pandemie jüngst freigelassen hat.
Coronavirus: Iran entlässt Gefangene
Foto: Ebrahim Seydi (Iranian Presidency) | Iranische Menschenrechtsaktivisten befürchten unterdessen, dass das islamische Regime die Corona-Pandemie nutze, um sich politischer Gegner zu entledigen. Im Bild: Irans Präsident Hassan Ruhani.

Um die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern, hat das Mullah-Regime in Teheran vorübergehend rund 85.000 Gefangene freigelassen. Unter ihnen allerdings keine Christen, die wegen der Ausübung ihres Glaubens inhaftiert sind. Die Schweizer Internet-Plattform „Audiator-Online“  berichtet von vier iranischen Christen, die zehnjährige Haftstrafen im berüchtigten Evin-Gefängnis in Teheran verbüßen – und das, obwohl ihre Anträge auf Wiederaufnahme des Verfahrens bereits bewilligt worden seien.

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Bedingungslose und sofortige Freilassung aller Christen gefordert

Bei den vier iranischen Christen handelt es um Yousef Nadarkhani (42), Mohammad Reza (Yohan) Omidi (46), Zaman (Saheb) Fadaei (36) und Nasser Navard Gol-Tapeh (58), der an mehreren Gesundheitsproblemen leidet. Die Namen nannte die Schweizer Internetseite unter Berufung auf  „Article 18“, einer Organisation, die sich für Religionsfreiheit im Iran einsetzt. „Wir fordern die sofortige und bedingungslose Freilassung aller Christen, die aufgrund von falschen Anschuldigungen im Zusammenhang mit ihrem Glauben oder religiösen Aktivitäten inhaftiert sind“, sagte den Angaben nach Mansour Borji, der Recherchedirektor der in London ansässigen Organisation.  

Nutzt Iran die Pandemie, um politische Gegner zu beseitigen?

Iranische Menschenrechtsaktivisten befürchten unterdessen, dass das islamische Regime die Corona-Pandemie nutze, um sich politischer Gegner zu entledigen. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM)  berichtet über Hilferufe von Häftlingen aus dem Evin-Gefängnis, die die internationale Gemeinschaft auffordern, die katastrophale Situation und die drohende Coronavirus-Infektion hunderter Inhaftierter anzuprangern.

Prominente Gefangene im Evin-Gefängnis ist die Anwältin Nasrin Sotoudeh, die sich in ihrer Heimat für Frauenrechte und gegen den Kopftuchzwang engagiert und deshalb im Jahr 2018 zu 33 Jahren Gefängnis und 148 Peitschenhieben verurteilt wurde. Die IGFM startet zusammen mit der Postkarten-App MyPostcard ab 6. April eine weltweite Postkartenaktion für die Freilassung von Nasrin Sotoudeh.

DT/chp

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