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Christliche Prägung: Bayern plant keine Verfassungsänderung

Eigentlich hatte Bayerns Ministerpräsident Markus Söder angekündigt, die Verfassung um ein "klares Bekenntnis zu der christlich-abendländischen Prägung" zu ergänzen. Innenminister Herrmann sieht diese Prägung bereits jetzt in der Verfassung gegeben.
Kreuz an der Wand
Foto: Harald Oppitz (KNA) | Sein Motto laute: „Das heilige Kreuz, mein Licht“, meinte der österreichische Nuntius, Peter Stephan Zurbriggen.

Die bayerische Staatsregierung strebt offenbar nicht an, die christliche Prägung Bayerns durch einen Zusatz in der Landesverfassung zu verankern. Das geht aus einer am Montag in München bekanntgewordenen Antwort auf eine parlamentarische Anfrage von SPD-Landtagsfraktionschef Markus Rinderspacher hervor. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte beim Politischen Aschermittwoch vor drei Monaten in Passau erklärt, dass die Verfassung um ein „klares Bekenntnis zu der christlich-abendländischen Prägung“ ergänzt werden solle.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) beschied in seiner Antwort an Rinderspacher, diese Prägung komme schon jetzt an mehreren Stellen der Verfassung zum Ausdruck, etwa in der Präambel oder bei der Festschreibung der „Ehrfurcht vor Gott“ als ein oberstes schulisches Bildungsziel. Laut Herrmann hat die Staatsregierung dieses Bekenntnis auch mit dem jüngsten Kreuzerlass für die bayerischen Dienstgebäude ausgeformt.

Rinderspacher kritisierte in seiner Reaktion Ministerpräsident Söder als „Weltmeister im Ankündigen“. Nach der „deutlichen Kritik am Kreuzerlass“ habe ihn „jetzt der Mut verlassen, eine christlich-abendländische Staatskultur in die Bayerische Verfassung aufnehmen zu wollen“. Dass Söder „seit Monaten den Glauben der Menschen in Bayern für CSU-Wahlkampfzwecke missbraucht und instrumentalisiert, ist nicht in Ordnung“, erklärte der SPD-Politiker.

Für eine Verfassungsänderung ist in Bayern eine Zweidrittelmehrheit im Landtag erforderlich. Sie muss außerdem durch einen Volksentscheid bestätigt werden. Die CSU wäre im Parlament bei einem solchen Vorhaben auf Unterstützung aus der Opposition angewiesen.

DT/KNA

 

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